Archive for the Rezension Category

Album: Indochine – 13

Posted in Rezension on 7. Februar 2018 by ultimaslagrimas

Weihnachten, Geburtstag und Ostern an einem Tag: Gottvater Nikola Sirkis ist mit seinem Album Nummer 13 wieder auferstanden und dies sehr beeindruckend. Dank meiner netten Arbeitskollegin Ifa aus Madagaskar, die mir dieses Heiligtum aus Frankreich mitgebracht hat, konnte ich mich endlich mit dem lang erwarteten Album auseinandersetzen.

Indochine Records * indo.fr * New Wave

Das 1981 von den beiden Sirkis-Zwillingen gegründete Projekt schien Ende der 90er nach Stéphane Sirkis‘ Tod dem Ende entgegenzuschippern, begleitet von weniger überzeugenden Alben in diesen Jahren. Doch Nikola Sirkis‘ Kreativität kehrte zurück Anfang der 2000er, als er den ursprünglichen New Wave und Synthpop aufpeppte durch Soundelemente a la Nine Inch Nails oder Placebo und auch mehr auf Gitarren setzte, was dem antiquierten Sound seiner Truppe durchaus wieder Leben einhauchte.

Mit dem Album „13“ kehrt man zum ursprünglichen 80er-Stil zurück, nahm die Gitarren etwas raus und konzentrierte sich eher auf die melancholischen und elektronischen Momente, ohne aber zu sehr antiquiert zu wirken. Indochine transportieren den Sound der 80er in einem modernen Gewand, gesanglich ohnehin über jeden Zweifel erhaben und trotz allem mit der Punkattitüde, die die Band immer schon auszeichnetet hat und mit der sie auch ständig kokettierten.

Es ist ein sehr starkes, sehr überzeugendes Album, das auch hoffentlich eines Tages in unseren Breitengraden endlich die Anerkennung bekommt, die die gesamte Band seit über 35 Jahren verdient hätte. In Frankreich touren Indochine durch ausverkaufte Stadien und haben Legendenstatus, in Deutschland kennt sie immer noch kaum jemand. Ein Verlust für alle freunde der guten Musik.

Fazit: Ein Hammeralbum ohne einen Ausfall.

Anspieltipp: Eigentlich die ganze CD, aber besonders Station 13.

Gesamtnote: Eine glatte 1 mit Sternchen für Meister Sirkis.

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Album: They’re gods children – Losing paradise

Posted in Rezension on 5. Februar 2018 by ultimaslagrimas

Diese CD wurde uns von der Band „They’re gods children“ aus dem Rhein-Neckar-Raum selber zugesandt, und so langsam muss ich auch mein müdes Gesäß erheben, um endlich die wohlverdiente Rezi zu verfassen.

Record jet * www.the-children.net * Wavepop

Das Trio bezeichnet den Stil als Mix aus Wave, Pop, Romantic und einer Prise alten britischen Punks. Letzteres schiebe ich mal eher auf die Attitüde, denn das Album wartet eher mit sehr ruhigen, schönen, wavig verträumten Klängen auf, die mich beim ersten Anhören schon gleich an alte sowjetische Avantgarde/Wave-Bands aus den Achtzigern erinnern (zum Beispiel Kino). Aber vor allem an die alte Sowjetkapelle Akvarium kommt man sehr nahe, auch gesanglich (man vergleiche nur den Song Gosudariyuna mit den Songs dieses Albums – toll!). Die Band selber kannte diese Formationen zwar nicht, aber eine Ähnlichkeit ist definitiv da.

28 Songs sind auf dem Album „Losing paradise“ enthalten. Es fällt schwer, einen davon herauszuheben. Auch hier wirkt das Album als Gesamtes. einfach schöne, düster angehauchte Musik zum zurücklehnen und genießen. Mir gefällt das alles sehr gut und ich würde mich auch freuen, weiterhin von den jungs zu hören.

Fazit: Eine tolle CD für den ruhigen Abend daheim.

Anspieltipp: Die ganze CD anhören und genießen.

Gesamtnote: 1,5

Album: Metallspürhunde – Giftbox

Posted in Rezension on 25. Mai 2017 by ultimaslagrimas

Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt verfolgen wir von Ultimas Lagrimas die musikalische Karriere der sympathischen Metallspürhunde aus Zürich. Mit anhaltend großer Freude besprechen wir auch ihr jüngstes Album „Giftbox“.

Sechs Jahre nach dem letzten Album, „Moloch“, zeigen sich die mittlerweile drei Metallspürhunde Marion, Michel und Sebastian dabei mit reduzierter klanglicher Härte, aber mit Stücken, die auf den Punkt komponiert und textlich schneidend scharf gelungen sind. Auf einen Satz gebracht: „Giftbox“ ist musikalisch fantastisch und inhaltlich hochpolitisch – anhören!

Soulfood/Darktunes * www.mshunde.ch * 44:19 min * Electro Rock

Nach der Selbstreinigung mit dem Nebenprojekt Das war Krach (Album: „Protokino“, 2014) und dem nächsten Lebenszeichen mit der EP „Schwarzer Hund“ (2015) sind Marion (Texte) und Michel (Musik) mit „Giftbox“ wieder auf der Höhe ihres Schaffens. Das Album liefert zehn Stücke mit rund 44 Minuten Spieldauer – und jedes einzelne davon ist ein geschliffenes Juwel.

Wie von den netten Schweizern gewohnt spielen die Texte dabei eine wichtige Rolle. Um nur ein paar zu erwähnen: „Disharmonie“ befasst sich mit der Problematik der ästhetischen Mobilmachung in der Schwarzen Szene und trifft dabei mit dem Hammer auf den Daumen – ohne indes die zentrale Frage platt zu verbreiten: Welche Symbole und Klischees verwendet ihr eigentlich und warum? „Kalaschnikow-Liebe“ ist ein klares Statement gegen die „IS-Machos“, um die Texterin zu zitieren – inhaltlich und musikalisch gleichermaßen auf den Punkt. „Ich sage nein“ ist eine Absage an SVP, AfD, FN, Identitäter und populistische Neo-Nationalisten aller Couleur. Und hinter „Unfall im Kernkraftreaktor“ verbirgt sich eine klanglich düstere Cover-Version des Georg-Kreisler-Klassikers „Tauben vergiften“, vom seligen Kreisler seinerzeit selbst getextet, die man auch als Stellungnahme der Metallspürhunde bei der jüngsten Volksabstimmung für den schweizerischen Atomausstieg verstehen kann.

Musikalisch ist „Giftbox“ weniger wuchtig als das Vorgängeralbum – aber keinesfalls weniger reizvoll. „Kawumm!“ kommt als Verbeugung vor dem deutschsprachigen Wave der 80er-Jahre im Stil von Ideal daher. „Das Geschenk“ liefert mit seinem C64-haften Lead-Sound Retromantik pur und ist fast zum Weinen schön. „Tut nicht weh“ hingegen ist minimalistisch und druckvoll in bester EBM-Manier – keine Note zuviel. Selbst bei „Wunderschön“, gefühlt dem einzigen Füller-Track der Scheibe, perlt die Casio-VL1-Percussion so charmant durch den Song, dass man diesen einfach zuende hören muss. In der Summe ist „Giftbox“ ein vielschichtiges, reizvolles und reifes Werk, in dem die Musik bei allem Schliff und aller Dichte durch Reduktion doch dem Gesang genug Raum lässt, um zu wirken.

Fazit: Mit dem neuen Album treten die Metallspürhunde in die nächste Phase ihres Schaffens und erklimmen dabei einen weiteren Höhepunkt. „Giftbox“ bietet „schwarze“ Musik für Menschen, die auch auf gehaltvolle Texte Wert legen.

Anspieltipps: Ich sage nein (Track 8), Kalaschnikow-Liebe (Track 6)

Gesamtnote: 1,4

Anthologie: Hellbound Hearts

Posted in Rezension on 1. Mai 2017 by ultimaslagrimas

Kane, Paul & O’Regan, Marie: Hellbound Hearts; Pocket Books, New York, 2009

Mit der Kurzgeschichte „The hellbound heart“ und den darauf basierenden Hellraiser-Filmen hat der Schriftsteller und Regisseur Clive Barker Ende der 80er-Jahre ein vollkommen eigenständiges Horror-Universum geschaffen. In diesem spielen auch die 21 Kurzgeschichten, die 2009 in dem Sammelband „Hellbound Hearts“ veröffentlicht worden sind.

Die verschiedenen Autoren befassen sich darin auf höchst unterschiedliche Weise mit dem von Barker erdachten Mythos um die Zenobiten – Schmerz und Lust vereinende Dämonen – und die Lament-Konfiguration – die „Hellraiser-Box“ -, mit der diese beschworen werden. Abseits dieser beiden Konstanten sind die Geschichten inhaltlich und stilistisch so unterschiedlich wie deren Verfasser.

„Mechanisms“ von Christopher Golden und Mike Mignola beispielsweise verbindet den Hellraiser-Mythos beispielsweise mit viktorianischem Gothic Horror. „The dark materials project“ von Sarah Langan tut dies mit Science-fiction. Es gibt Ausflüge in Krimi, Urban Fantasy oder eben auch grimmigen Body Horror, wie man es bei Hellraiser erwartet. Diese Vielfalt stellt eine Stärke des Sammelbands dar, lassen die meisten Autoren doch schnell die von Barker vorgezeichnete Schablone um körperliches Leiden und zwischenmenschliche Leidenschaft hinter sich.


Fazit: Horrorfans sollten das Buch auf jeden Fall lesen. Die Vielfalt der Ideen unter einem zusammenführenden, oft nur angedeuteten, übernatürlichen Mythos bietet gruselige, selten drastische Unterhaltung, die man sich oft als Teil einer Horrorfilm-Anthologie vorstellen könnte.

Note: 1

Roman: Terry Pratchett – Gevatter Tod

Posted in Rezension on 1. April 2017 by ultimaslagrimas

Pratchett, Terry: Gevatter Tod, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1990

In meiner Schul- und Studienzeit habe ich etliche seinerzeit erstmals in deutscher Übersetzung erscheinende Romane Terry Pratchetts gelesen. Im Abstand von gut 20 Jahren habe ich nun noch einmal zu „Gevatter Tod“ gegriffen, dem vierten von insgesamt 41 Romanen aus dem Scheibenwelt-Zyklus des 2015 verstorbenen Schriftstellers.

Seinerzeit waren Pratchetts Themen und Stil eine willkommene Abwechslung von der dominierenden, heldenhaft-ernsten Fantasy in der Tradition Tolkiens. Diese Wirkung hat „Gevatter Tod“ auch heute noch: Die im Kern sehr einfach gestrickte Handlung – der Lehrling des Tods verschont eine Prinzessin und bringt dadurch das Gefüge der Realität durcheinander – ist im Grunde nur der Aufhänger für eine Vielzahl markanter Haupt- und Nebenfiguren, kurioser Beschreibungen und Abschweifungen sowie humorvoller Dialoge.

Dadurch bietet das Buch gute Unterhaltung und viele Protagonisten mit Wiedererkennungswert – allen voran den stets in Großbuchstaben sprechenden Tod. Die Gescchichte ist hingegen eher Nebensache.

„Gevatter Tod“ ist in sich abgeschlossen und erfordert kein Vorwisse. Damit eignet er sich für Einsteiger gut, um auszuprobieren, ob einem Pratchetts Stil gefällt, und auch für einen Erstkontakt mit der Scheibenwelt.

Fazit: Das Buch ist keine Hochliteratur, liest sich aber flott weg, sodass man sich kaum langweilen wird – und das ist mehr, als man über viele Epen der „Weltrettungs-Fantasy“ sagen kann.

Bewertung: 2

Album: Devil-M – Hollow Earth

Posted in Klang des Monats, Rezension on 22. März 2017 by ultimaslagrimas

Seit dem letzten Album von Devil-M sind schon wieder drei Jahre vergangen. Jetzt ist „Hollow Earth“ da und einer Rezension durch Ultimas Lagrimas wert. Denn wir featuren ja nur Musik, die wir auch gut finden – und hoffen darauf, dass die Band aus Oldenburg endlich mal wieder in unserem südwestdeutschen Sendegebiet live spielt.

Gut gelungen ist Max Meyer und seinen Mitstreitern dieser jüngste Streich. Devil-M bleiben auf „Hollow Earth“ ihrem eigenständigen Stil treu und entwickeln sich trotzdem weiter – nicht jede Band kann das von sich behaupten.


Darktunes/Soulfood * www.devil-m.de * 48:38 min * Avantgarde Industrial Metal

„Hollow Earth“ versammelt 14 Titel mit insgesamt rund 48 Minuten Spielzeit. Beinharte Industrial-Metal-Tracks sind ebenso darunter wie atmosphärisch dichte Dark-Ambient-Ausflüge, und sogar Kompositionen, die sich electro-rockig entfalten.

Treu bleibt sich die Band in ihrer Eigenständigkeit. Klar, Anklänge an Vorbilder lassen sich stellenweise erahnen, aber da wird nicht einfach kopiert, sondern konsequent rekombiniert und neu geschaffen. Ergebnis und Ziel zugleich ist stets ein teils brütende, teils laszive, unterschwellig stets provozierende Stimmung. Auf den Klängen kann man sich vielleicht sporadisch ausruhen, aber nie zur Ruhe kommen.

Dazu trägt bei, dass das von Elmar Schmidt (Centhron) gemischte Album klanglich einen weiteren Schritt nach vorne macht. Druckvoll, ja, brachial kaum: Den Sounds wird in der Produktion stets genügend Raum gelassen, sich zu entfalten, was genau das richtige ist für den avantgardistischen Konzeptansatz von „Hollow Earth“.

Seine volle Stärke entfaltet das Album überraschenderweise in der zweiten Hälfte. Einzelne Songs herauszuheben wird dem Werk jedoch kaum gerecht. Jeder sollte Devil-M eine Chance geben und das Album zur Gänze konzentriert durchhören. Es lohnt sich.

Fazit: Zwischen glühend bedrohlich und stählerner Kälte – „Hollow Earth“ ist ein musikalisches Stimmungsgemälde.

Anspieltipps: Evalslave (Track 12), Rothschild Pt. 1 (Track 8)

Gesamtnote: 1,8

Film: Arrival (USA, 2016)

Posted in Film, Rezension on 4. Februar 2017 by ultimaslagrimas

Es gibt sie tatsächlich noch: Hard-SF-Filme. Arrival kommt zudem über den Mainstream-Vertrieb Sony Pictures auf die Leinwände. Das überrascht. Denn dieser Streifen, basierend auf einer mit dem Nebula und dem Sturgeon Award ausgezeichneten Kurzgeschichte, hat all das nicht, was Standard-Hollywood-Filme sonst bieten. Keine bösen Aliens, keine (meist männlichen) Kämpferhelden, keine schnellen Action-Sequenzen. Stattdessen bietet er eine fast an ihrer Herausforderung (Kommunikation mit den fremdartigen Außerirdischen) verzweifelnde Linguistin, den Zuschauer herausfordernde, lange, langsame Szenen, sachliche Dialoge und ein fast antiklimaktisches Finale. Dass dieser aktuellen Sehgewohnheiten entgegenlaufende Film trotzdem funktioniert, liegt nicht zuletzt an den drei herausragenden Hauptdarstellern, der packenden Handlung und der hohen Produktionsqualität. Und die Einspielergebnisse zeigen, dass es für diese Art intelligenter SF-Unterhaltung (wieder) ein Publikum gibt.

Genre: Hard Science-fiction

Note: 1-

Arrival

Nebenbei: Jeder Lovecraft-Fan wird ein großes Aha!-Erlebnis haben, wenn erstmals die Extremitäten der Außerirdischen zu erkennen sind. Die Alten Wesen aus der Antarktis lassen grüßen…