Archive for the Film Category

Akira Ifukube gestorben (2006)

Posted in Film, Historisches on 8. Februar 2017 by ultimaslagrimas

Am 8. Februar 2006 ist Akira Ifukube mit gesegneten 91 Jahren gestorben. Der japanische Komponist wird vermutlich nur eingefleischten Kinoexperten irgendetwas sagen. Aber er war zwischen 1947 und 1995 an 274 Filmmusiken beteiligt, unter anderem für den legendären Monsterstreifen Gojira (Godzilla).

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Film: Arrival (USA, 2016)

Posted in Film, Rezension on 4. Februar 2017 by ultimaslagrimas

Es gibt sie tatsächlich noch: Hard-SF-Filme. Arrival kommt zudem über den Mainstream-Vertrieb Sony Pictures auf die Leinwände. Das überrascht. Denn dieser Streifen, basierend auf einer mit dem Nebula und dem Sturgeon Award ausgezeichneten Kurzgeschichte, hat all das nicht, was Standard-Hollywood-Filme sonst bieten. Keine bösen Aliens, keine (meist männlichen) Kämpferhelden, keine schnellen Action-Sequenzen. Stattdessen bietet er eine fast an ihrer Herausforderung (Kommunikation mit den fremdartigen Außerirdischen) verzweifelnde Linguistin, den Zuschauer herausfordernde, lange, langsame Szenen, sachliche Dialoge und ein fast antiklimaktisches Finale. Dass dieser aktuellen Sehgewohnheiten entgegenlaufende Film trotzdem funktioniert, liegt nicht zuletzt an den drei herausragenden Hauptdarstellern, der packenden Handlung und der hohen Produktionsqualität. Und die Einspielergebnisse zeigen, dass es für diese Art intelligenter SF-Unterhaltung (wieder) ein Publikum gibt.

Genre: Hard Science-fiction

Note: 1-

Arrival

Nebenbei: Jeder Lovecraft-Fan wird ein großes Aha!-Erlebnis haben, wenn erstmals die Extremitäten der Außerirdischen zu erkennen sind. Die Alten Wesen aus der Antarktis lassen grüßen…

Film: The Void (Kanada, 2016)

Posted in Film on 19. Januar 2017 by ultimaslagrimas

Für einen erfahrenen Horrorfan bietet „The Void“ auf den ersten, flüchtigen Blick wenig Neues: Einen isolierten Schauplatz mit einer kleinen Gruppe dort Eingeschlossener, einen finsteren Kult, der außerirdische Götter anbetet, einen verrückten Wissenschaftler und grässliche Experimente. Doch wie so oft sind es auch in diesem Fall nicht die einzelnen Elemente, sondern deren Zusammenstellung und die Ausführung, die aus wohlbekannten Motive einen lohnenden Film machen.

Sheriff Daniel Carter ist im ländlichen Nordamerika auf Streife, als er an der Straße einen Verletzten entdeckt. Er bringt ihn ins nächste Krankenhaus, wo kurz vor einem geplanten Umzug neben seiner Ehefrau Allison nur noch eine Handvoll Mitarbeiter Dienst tun. Kurz nach seiner Ankunft wird Carter Zeuge eines brutalen Mordes. Von da an gerät das Geschehen in eine sich immer schneller drehende Spirale übernatürlichen Schreckens.

Die Drehbuchautoren und Regisseure Jeremy Gillespie und Steven Kostanski stellen Motive aus mindestens vier Jahrzehnten Horrorfilmgeschichte zusammen: Sie kombinieren Monsterhorror (nebst sehenswerter Tricktechnik), ominöse Visionssequenzen, ein hartes Belagerungsszenario und teils drastische Gore-Effekte. Wider Erwarten funktioniert dieses Aufhäufen bekannter Aspekte sehr gut, baut ein permanentes Gefühl der Bedrohung auf und bringt mehr überraschende als absehbare Wendungen mit sich – bis hin zum Schluss, der gängige Genre-Erwartungen ignoriert und nach langem Aufbau den kosmischen Schrecken für zwei der Hauptcharaktere manifest werden lässt.

Bei alldem ist „The Void“ konsequent grimmig und finster. Es gibt keine Momente komischer Entspannung oder ironischer Brechung. Der Film nimmt sich ernst und fällt damit überraschenderweise nicht auf die Nase. Nur bei der finalen Konfrontation zeigt sich ein wenig die Überschaubarkeit des teils über Crowdfunding zusammengebrachten Budgets. Und in der Rolle des obligatorischen schwangeren Teenagers erweist sich Grace Munro letztlich als Fehlbesetzung. Doch trotz dieser kleinen Makel überzeugt der Film.

Genre: Übernatürlicher Monster-Horror/Body Horror/Siege

Note: 1 bis 2

Fazit: Herbert West – Reanimator (nicht der Film, sondern die Lovecraft-Geschichte von 1922) trifft auf Halloween II (1981) trifft auf Baskin (2015) – eine überraschend gelungene Fusion von Elementen verschiedener Horror-Epochen und -Subgenres.

 

Film: Don’t breathe (USA/Ungarn 2015)

Posted in Film on 18. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Dieser Film des uruguayanischen Regisseurs Fede Alvarez ist weder ein Standard-Hollywood-Schocker noch künstlerisch stilisierter Arthaus-Grusel, und er greift auch keine ausgefallenen, historisch-kulturellen Ideen auf. Vielmehr ist „Don‘t breathe“ ein grundsolider, handwerklich sorgfältig gefilmter und geschnittener Thriller, der das bekannte Home-Invasion-Szenario clever auf den Kopf stellt: Drei junge Delinquenten brechen ins letzte noch bewohnte Haus eines verfallenden Detroiter Viertels ein. Nach ihrem Zusammentreffen mit dessen Bewohner, einem blinden Kriegsveteranen, wollen die Halbstarken aus dem Gebäude flüchten. Und dann folgt die eigentliche Wendung der Geschichte, die mehr als die ungeschönt dargestellte Gewalt den Film auch für den Zuschauer unangenehm werden lässt.

„Don‘t breathe“ folgt, bereits in der ersten Einstellung absehbar, der Genre-Konvention des „Final Girl“. Diese Rolle ist die bereits zweite Zusammenarbeit von Jane Levy mit Fede Alvarez nach dem selbst hartgesottene Horrorfans blass werden lassenden „Gorefest“ im Evil-Dead-Remake 2013. Gut die Hälfte der Spielzeit sind für sie eine Tour de force, ohne dass indes die Brutalität des Aufeinandertreffens des Blinden und der drei Einbrecher überzeichnet oder überzogen inszeniert wäre. Das ist teils harte Kost, der Schrecken liegt aber mehr in der Ausweglosigkeit der Situation und dem erwähnten „Twist“ begründet.

Genre: Home Invasion/Thriller

Note: 2+

Fazit: Keine Neuerfindung des Horrorfilms, aber nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Leistungen von Jane Levy und der physischen Präsenz von Stephen Lang allemal lohnenswert.

dontbreathe

Film: Dibbuk (Polen, 2015)

Posted in Film on 3. September 2016 by ultimaslagrimas

Dibbuk ist ein seltsam schöner und beunruhigender Film, der den Zuschauer mit dem Gefühl von Unbehagen zurücklässt, das sich unterschwellig durch die gesamte Länge von 94 Minuten zieht. Er ist eine Geistergeschichte, ein Drama, ein Blick in die polnische Vergangenheit, eine bittere Komödie.

Piotr und Zaneta wollen heiraten. Piotr richtet das Gebäude her, in dem gefeiert werden und das Paar später wohnen soll. Dann stößt er auf ein Skelett in einem ungekennzeichneten Grab, dessen Existenz sein Schwiegervater eilig leugnet. Das Fest beginnt – und läuft völlig aus dem Ruder, bis hin zum rätselhaften Verschwinden einer der Hauptpersonen.

Dibbuk zeichnet sich durch eine meisterliche Charakterisierung seiner Figuren aus. Sie sind in ihrer fahlen Menschlichkeit teilweise gruseliger als das übernatürliche Element des dem Film seinen Titel gebenden, jüdischen Totengeists.

Ist dies ein Horrorfilm? Nicht, wenn man damit Schockeffekte und physische Gewalt verbindet. Genrekonventionen ignoriert die Inszenierung gänzlich. Gerade deswegen lässt einen Dibbuk nicht kalt – insbesondere die Diskrepanz zwischen den trunken Feiernden, der um das Aufrechterhalten des Anscheins von Normalität bemühten Familie Zanetas und dem Bruch eben dieser Normalität, die sich aus einer zunehmend deutlicher werdenden, historischen Schuld manifestiert.

Genre: Arthaus-Horror

Note: 1-

Fazit: Der Film ist ein weiterer Beweis dafür, dass intelligenter, künstlerisch anspruchsvoller Grusel vor allem dann gelingt und wirkt, wenn er sich vom Mainstream-Horror US-amerikanischer Prägung emanzipiert und Kristallisationskerne des Schreckens dort findet, wo er kulturell und historisch herkommt. Traurig, dass Dibbuk die letzte Arbeit von Marcin Wrona bleiben wird: Der Regisseur hat sich 2015 kurz nach der Premiere des Films das Leben genommen.

Dibbuk

Dibbuk – eine Hochzeit in Polen

Film: Der Nachtmahr (Deutschland, 2015)

Posted in Film on 15. Juni 2016 by ultimaslagrimas

Präzise auf dem Schnittpunkt von Arthaus, Drama und Horrorfilm balancierend, macht Achim Bornhaks „Der Nachtmahr“ fast alles richtig. Außer vielleicht am Schluss – aber dazu später.

Getragen von der herausragend spielenden Carolyn Genzkow entfaltet der Film eine Handlung, die in jeder Richtung hätte schiefgehen können: Der vom Schmerz des Erwachsenwerdens und Andersseins gequälte Teenager. Die groteske Gestalt der Titelfigur als Projektion der Persönlichkeit des vielleicht seelisch kranken Mädchens, dessen innerer Konflikt zu einem äußeren mit Eltern und Gleichaltrigen wird. Die hart geschnittenen, lauten Partyszenen. Der im gegenwärtigen Horrorfilm häufige Deja-Vu-Schockmoment. Die kammerspielhaften Gespräche zwischen Tina und Erwachsenen, die sie wie ein Kind behandeln. Das alles sind Elemente, die man aus früheren Filmen unterschiedlicher Genres kennt.

Doch Bornhak alias Akiz zitiert sie nicht einfach, er rekombiniert sie im Rahmen seines eigenen Erzählstils zu etwas Neuartigem. Vielleicht werden kommende Jahre zeigen, dass er damit einen Klassiker das fantastischen, deutschen Films geschaffen hat. Zwei Probleme gibt es dabei allerdings.

Zum einen versteht ein Publikum, das entweder nur mit Psychodrama, Kunstfilm oder Horror vertraut ist, womöglich manche Anspielungen, erkennt Stilelemente nicht. Für Mainstream-Horror ist „Der Nachtmahr“ trotz der wuchtigen Eröffnungssequenz zu subtil, für Arthaus zugleich zu düster und zu poppig, das persönliche Drama des „coming of age“ hat man schon zu oft gesehen.

Zum anderen ist da die Schlussszene, die an „Der Wald vor lauter Bäumen“ denken lässt. Bornhak hätte besser den offenen Schluss stehen lassen sollen, der sich durch Aufbau und Musik eigentlich aufdrängt: Der Moment, in dem die Heldin und ihr manifestiertes „Es“ von allen als wahr und real erkannt werden (müssen), hätte die letzte Einstellung sein sollen.

An diesem kleinen Makel darf man sich jedoch nicht festbeißen: Von Inhalt, Kamera, Licht und Schnitt über Dynamik und Stimmung – zwischen „all is lost“ und Triumph – bis hin zur Musik (Alec Empire!) und bis in die kleinste Nebenrolle hervorragenden Darstellern (kaum im Bild: Detlef Bothe!) ist „Der Nachtmahr“ ein nahezu perfekter Film. Vielleicht weil keine große Produktionsfirma dahinter steht, sondern die Filmschaffenden frei und kreativ arbeiten konnten – wegen des überschaubaren Budgets wohl auch mussten.

Genre: Arthaus-Horror

Note: 1-

Fazit: „Der Babadook“ und „A girl walks alone home at night“ haben gezeigt, dass moderner Horror in eine neue Phase tritt, in der nicht die 1000. Zombie-Nacherzählung oder Wackelkamera-Inszenierung Maß der Dinge sind, sondern psychologischer Grusel, in dem Monster funktionieren, aber das Menschliche im Mittelpunkt steht. Dass aus Deutschland ein weiteres, sehenswertes Beispiel für diese Entwicklung stammt, ist erfreulich. „Der Nachtmahr“ ist zudem ein Kunstwerk geworden. Begeisternd.

dernachtmahr

 

Film: Baskin (Türkei, 2015)

Posted in Film on 2. Januar 2016 by ultimaslagrimas

Fünf türkische Polizisten werden nach Feierabend an einen vermeintlichen Tatort gerufen, eine verlassene Polizeistation aus der Zeit des Osmanischen Reichs. Aus dem Einsatz wird sehr schnell ein höllischer Alptraum.

Genre: Okkult-Horror

Note: 2

Fazit: Trotz erkennbarer Anleihen bei Klassikern des Genres findet Baskin einen eigenen Stil und baut Schritt für Schritt Spannung und alptraumhaften Schrecken auf. Im Finale kippt der Film leider stellenweise ins Komische, es bleibt aber ein positiver Gesamteindruck. Für ein Mainstream-Publikum ist Baskin nicht geeignet.

baskin