Archive for the Film Category

Film: Slender Man (USA, 2018)

Posted in Film, Rezension on 27. August 2018 by ultimaslagrimas

“Slender Man” basiert auf einer Creepypasta-Serie in den „Something awful”-Foren. Auch wer bei dieser Einleitung nichts versteht, kann erahnen, wo ein zentrales Problem des Films liegt: Er versucht den Spagat zwischen herkömmlichem Leinwand-Horror und Internet-Legenden-Grusel – und scheitert daran, was absehbar gewesen ist.

Das ist schade, denn rein handwerklich ist dies kein schlechter Film: Ein spannender Aufhänger, teilweise sehr atmosphärische Einstellungen, ordentliche Schauspielerinnen, gute Musik. Wenn sich die Macher darauf konzentriert hätten, den Slender-Man-Mythos konsequent und als richtigen Horrorfilm umzusetzen, hätte er sogar gut werden können.

Doch in der fertigen Kinofassung irrt der Streifen zwischen nur Fans verständlichen Versatzstücken der Originalidee, ärgerlichen Zugeständnissen an die Formeln des derzeitigen Mainstream-Hollywood-Horrors und deplatzierten Zitaten aus Genre-Klassikern umher (die in der Tonhöhe schwankende Glocke der Cenobiten aus Hellraiser, die Kamerafahrt durch den Wald aus Evil Dead). Er kann sich bis zum Schluss nicht entscheiden, aus welcher Perspektive, mit welchem Fokus und mit welchen Nebenfiguren die Geschichte eigentlich erzählt werden soll. So fallen manche Handlungsstränge am Ende einfach ungelöst unter den Schneidetisch, und selbst die Andeutung, dass sich der Slender-Man-Mythos reproduziert, bleibt bloße Andeutung und Fanservice, den man nur dann versteht, wenn man weiß, dass in der Realität zwei Mädchen versucht haben, eine Mitschülerin dem fiktiven Internet-Monster zu opfern.

Auch wird der modus operandi des titelgebenden Monsters inkonsistent dargestellt und ändert sich im Verlauf der Handlung mehrfach. Nur als Beispiel: Zwar erzeugt der sich nähernde Slender Man eine akustische Verzerrung in digitalen Geräten – überträgt aber von dieser Annäherung einen sauberen Video-Live-Stream auf die Smartphones seiner Opfer. So wird unbeholfen versucht, die Social-Media-Ästhetik mancher aktueller Mainstream-Teenie-Schocker mit dem Found-Footage-Ansatz zu verquicken, den die Web-Video-Serie “Marble Hornets” verwendete. Letztere hat bereits zwischen 2009 und 2012 mit bescheidensten Mitteln gezeigt, wie man den Slender-Man-Mythos richtig ins Bild bringt. Sie ist um vieles sehenswerter und unheimlicher als der Kinofilm.

Genre: Urban Horror

Note: 4

Fazit: “Slender Man” zerfällt in einen Scherbenhaufen, der den Eindruck erweckt, als hätten hier verschiedene Drehbuchautoren und Produzenten versucht, Elemente zusammenzufügen, die nicht zueinander passen, und dabei auch noch auf denkbare Fortsetzungen spekuliert. Schade.

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Akira Ifukube gestorben (2006)

Posted in Film, Historisches on 8. Februar 2018 by ultimaslagrimas

Am 8. Februar 2006 ist Akira Ifukube mit gesegneten 91 Jahren gestorben. Der japanische Komponist wird vermutlich nur eingefleischten Kinoexperten irgendetwas sagen. Aber er war zwischen 1947 und 1995 an 274 Filmmusiken beteiligt, unter anderem für den legendären Monsterstreifen Gojira (Godzilla).

Film: Cold Skin (Spanien/Frankreich, 2017)

Posted in Film, Rezension on 22. Januar 2018 by ultimaslagrimas

Ein namenloser Gelehrter soll als Wetterbeobachter auf eine einsame Insel im Nordmeer und dort den vorherigen Diensthabenden ersetzen. Statt jenem trifft er jedoch auf einen verrohten Leuchtturmwärter und dessen humanoidem „Schoßhund“. Schon in der ersten Nacht wird seine Hütte von unheimlichen Wesen aus dem Meer heimgesucht.

Nach dieser Exposition entfaltet sich ein merkwürdig unentschlossener, stellenweise prätentiöser Film, der vor allem durch seine bemerkenswerte Ausstattung und beeindruckende Arbeit mit dem Licht optisch besticht. Weniger aber durch seine als Kammerspiel inszentierte Handlung, die in verschiedenen Phasen die Genres Horror, Drama und Fantasy durchläuft, aber die Ereignisse nicht in letzter Konsequenz zu einem Gesamtwerk zusammenführt. Das ist bedauerlich, da Cold Skin vielschichtige inhaltliche Elemente bietet: Den isolierte Schauplatz des Leuchtturms (man denke an Three Skeleton Key); die äußere Bedrohung (lovecraftsche Tiefe Wesen), die letztendlich eine kleinere Gefahr darstellt als die Spannungen zwischen dem Neuankömmling, dem Grimmigen und der Exotin; die verbale und physische Gewalt in dieser Dreiecksbeziehung; die seelischen Verletzungen aller drei Protagonisten, die im Film bestenfalls angedeutet werden.

Genre: Fantasy-Drama

Note: 3

Fazit: Zu einem großartigen Film fehlt es an einer ordnenden Hand, die nicht nur visuell Sehenswertes geschaffen, sondern die vorhandenen Elemente und Szenen auf den Höhepunkt hin geleitet hätte.

 

Film: Arrival (USA, 2016)

Posted in Film, Rezension on 4. Februar 2017 by ultimaslagrimas

Es gibt sie tatsächlich noch: Hard-SF-Filme. Arrival kommt zudem über den Mainstream-Vertrieb Sony Pictures auf die Leinwände. Das überrascht. Denn dieser Streifen, basierend auf einer mit dem Nebula und dem Sturgeon Award ausgezeichneten Kurzgeschichte, hat all das nicht, was Standard-Hollywood-Filme sonst bieten. Keine bösen Aliens, keine (meist männlichen) Kämpferhelden, keine schnellen Action-Sequenzen. Stattdessen bietet er eine fast an ihrer Herausforderung (Kommunikation mit den fremdartigen Außerirdischen) verzweifelnde Linguistin, den Zuschauer herausfordernde, lange, langsame Szenen, sachliche Dialoge und ein fast antiklimaktisches Finale. Dass dieser aktuellen Sehgewohnheiten entgegenlaufende Film trotzdem funktioniert, liegt nicht zuletzt an den drei herausragenden Hauptdarstellern, der packenden Handlung und der hohen Produktionsqualität. Und die Einspielergebnisse zeigen, dass es für diese Art intelligenter SF-Unterhaltung (wieder) ein Publikum gibt.

Genre: Hard Science-fiction

Note: 1-

Arrival

Nebenbei: Jeder Lovecraft-Fan wird ein großes Aha!-Erlebnis haben, wenn erstmals die Extremitäten der Außerirdischen zu erkennen sind. Die Alten Wesen aus der Antarktis lassen grüßen…

Film: The Void (Kanada, 2016)

Posted in Film, Rezension on 19. Januar 2017 by ultimaslagrimas

Für einen erfahrenen Horrorfan bietet „The Void“ auf den ersten, flüchtigen Blick wenig Neues: Einen isolierten Schauplatz mit einer kleinen Gruppe dort Eingeschlossener, einen finsteren Kult, der außerirdische Götter anbetet, einen verrückten Wissenschaftler und grässliche Experimente. Doch wie so oft sind es auch in diesem Fall nicht die einzelnen Elemente, sondern deren Zusammenstellung und die Ausführung, die aus wohlbekannten Motive einen lohnenden Film machen.

Sheriff Daniel Carter ist im ländlichen Nordamerika auf Streife, als er an der Straße einen Verletzten entdeckt. Er bringt ihn ins nächste Krankenhaus, wo kurz vor einem geplanten Umzug neben seiner Ehefrau Allison nur noch eine Handvoll Mitarbeiter Dienst tun. Kurz nach seiner Ankunft wird Carter Zeuge eines brutalen Mordes. Von da an gerät das Geschehen in eine sich immer schneller drehende Spirale übernatürlichen Schreckens.

Die Drehbuchautoren und Regisseure Jeremy Gillespie und Steven Kostanski stellen Motive aus mindestens vier Jahrzehnten Horrorfilmgeschichte zusammen: Sie kombinieren Monsterhorror (nebst sehenswerter Tricktechnik), ominöse Visionssequenzen, ein hartes Belagerungsszenario und teils drastische Gore-Effekte. Wider Erwarten funktioniert dieses Aufhäufen bekannter Aspekte sehr gut, baut ein permanentes Gefühl der Bedrohung auf und bringt mehr überraschende als absehbare Wendungen mit sich – bis hin zum Schluss, der gängige Genre-Erwartungen ignoriert und nach langem Aufbau den kosmischen Schrecken für zwei der Hauptcharaktere manifest werden lässt.

Bei alldem ist „The Void“ konsequent grimmig und finster. Es gibt keine Momente komischer Entspannung oder ironischer Brechung. Der Film nimmt sich ernst und fällt damit überraschenderweise nicht auf die Nase. Nur bei der finalen Konfrontation zeigt sich ein wenig die Überschaubarkeit des teils über Crowdfunding zusammengebrachten Budgets. Und in der Rolle des obligatorischen schwangeren Teenagers erweist sich Grace Munro letztlich als Fehlbesetzung. Doch trotz dieser kleinen Makel überzeugt der Film.

Genre: Übernatürlicher Monster-Horror/Body Horror/Siege

Note: 1 bis 2

Fazit: Herbert West – Reanimator (nicht der Film, sondern die Lovecraft-Geschichte von 1922) trifft auf Halloween II (1981) trifft auf Baskin (2015) – eine überraschend gelungene Fusion von Elementen verschiedener Horror-Epochen und -Subgenres.

 

Film: Don’t breathe (USA/Ungarn 2015)

Posted in Film, Rezension on 18. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Dieser Film des uruguayanischen Regisseurs Fede Alvarez ist weder ein Standard-Hollywood-Schocker noch künstlerisch stilisierter Arthaus-Grusel, und er greift auch keine ausgefallenen, historisch-kulturellen Ideen auf. Vielmehr ist „Don‘t breathe“ ein grundsolider, handwerklich sorgfältig gefilmter und geschnittener Thriller, der das bekannte Home-Invasion-Szenario clever auf den Kopf stellt: Drei junge Delinquenten brechen ins letzte noch bewohnte Haus eines verfallenden Detroiter Viertels ein. Nach ihrem Zusammentreffen mit dessen Bewohner, einem blinden Kriegsveteranen, wollen die Halbstarken aus dem Gebäude flüchten. Und dann folgt die eigentliche Wendung der Geschichte, die mehr als die ungeschönt dargestellte Gewalt den Film auch für den Zuschauer unangenehm werden lässt.

„Don‘t breathe“ folgt, bereits in der ersten Einstellung absehbar, der Genre-Konvention des „Final Girl“. Diese Rolle ist die bereits zweite Zusammenarbeit von Jane Levy mit Fede Alvarez nach dem selbst hartgesottene Horrorfans blass werden lassenden „Gorefest“ im Evil-Dead-Remake 2013. Gut die Hälfte der Spielzeit sind für sie eine Tour de force, ohne dass indes die Brutalität des Aufeinandertreffens des Blinden und der drei Einbrecher überzeichnet oder überzogen inszeniert wäre. Das ist teils harte Kost, der Schrecken liegt aber mehr in der Ausweglosigkeit der Situation und dem erwähnten „Twist“ begründet.

Genre: Home Invasion/Thriller

Note: 2+

Fazit: Keine Neuerfindung des Horrorfilms, aber nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Leistungen von Jane Levy und der physischen Präsenz von Stephen Lang allemal lohnenswert.

dontbreathe

Film: Dibbuk (Polen, 2015)

Posted in Film, Rezension on 3. September 2016 by ultimaslagrimas

Dibbuk ist ein seltsam schöner und beunruhigender Film, der den Zuschauer mit dem Gefühl von Unbehagen zurücklässt, das sich unterschwellig durch die gesamte Länge von 94 Minuten zieht. Er ist eine Geistergeschichte, ein Drama, ein Blick in die polnische Vergangenheit, eine bittere Komödie.

Piotr und Zaneta wollen heiraten. Piotr richtet das Gebäude her, in dem gefeiert werden und das Paar später wohnen soll. Dann stößt er auf ein Skelett in einem ungekennzeichneten Grab, dessen Existenz sein Schwiegervater eilig leugnet. Das Fest beginnt – und läuft völlig aus dem Ruder, bis hin zum rätselhaften Verschwinden einer der Hauptpersonen.

Dibbuk zeichnet sich durch eine meisterliche Charakterisierung seiner Figuren aus. Sie sind in ihrer fahlen Menschlichkeit teilweise gruseliger als das übernatürliche Element des dem Film seinen Titel gebenden, jüdischen Totengeists.

Ist dies ein Horrorfilm? Nicht, wenn man damit Schockeffekte und physische Gewalt verbindet. Genrekonventionen ignoriert die Inszenierung gänzlich. Gerade deswegen lässt einen Dibbuk nicht kalt – insbesondere die Diskrepanz zwischen den trunken Feiernden, der um das Aufrechterhalten des Anscheins von Normalität bemühten Familie Zanetas und dem Bruch eben dieser Normalität, die sich aus einer zunehmend deutlicher werdenden, historischen Schuld manifestiert.

Genre: Arthaus-Horror

Note: 1-

Fazit: Der Film ist ein weiterer Beweis dafür, dass intelligenter, künstlerisch anspruchsvoller Grusel vor allem dann gelingt und wirkt, wenn er sich vom Mainstream-Horror US-amerikanischer Prägung emanzipiert und Kristallisationskerne des Schreckens dort findet, wo er kulturell und historisch herkommt. Traurig, dass Dibbuk die letzte Arbeit von Marcin Wrona bleiben wird: Der Regisseur hat sich 2015 kurz nach der Premiere des Films das Leben genommen.

Dibbuk

Dibbuk – eine Hochzeit in Polen