Roman: King, Stephen: Dead Zone – Das Attentat (1979)

In Stephen King „nur“ den hinsichtlich seiner Buchverkäufe erfolgreichsten Horror-Schriftsteller überhaupt zu sehen, wird diesem Autor nicht gerecht. Er war immer auch schon ein genauer Beobachter gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen – und das zeigt sich insbesondere in seinem übernatürlich angehauchten Thriller „Dead Zone“.

Es ist etwas unheimlich, dieses Buch erstmals zu lesen, nachdem Donald Trump bereits mehrere Jahre als US-Präsident amtiert. Andererseits: Wäre es weniger unheimlich gewesen, zuerst dieses 40 Jahre alte Buch zu lesen, um dann mitzuerleben, wie die Fiktion von der Realität überholt wird?

Kurz gesagt geht es darin – wie in zahlreichen King-Büchern – um einen übernatürlich Begabten, John Smith mit Namen. Dieser kann bei Berührung einer Person oder eines Gegenstandes deren bzw. dessen Vergangenheit, Gegenwart und/oder Zukunft erkennen. Und er setzt diese unfreiwillig (bei einem Unfall) empfangene Gabe auch ein, um mehr über einen Mann zu erfahren, der einmal Präsident der USA werden könnte. Er ahnt, dass dieser Kandidat die Welt in einen Atomkrieg führen würde. falls er in die entsprechende Position gelangte. Danach ist Smith wie besessen von dem Politiker, dessen seine Karriere auf illegalen Geschäften und Populismus gründet, und sucht letztlich einen Weg, diesen zu töten.

Spoiler: Das gelingt dem Attentäter nicht. Wohl aber, ihn dazu zu bringen, sich bei dem missglückten Attentat in aller Öffentlichkeit derart zu demaskieren, dass er unwählbar wird: Der Politiker verwendet ein Kind als menschlichen Schutzschild. So tötet der „Held“ den Bösewicht zwar nicht körperlich, wohl aber politisch – diese beiden Alternativen waren bereits früher im Roman von einer Nebenfigur, einem vietnamsischen Immigranten, klar umrissen worden.

Hier hat die Realität die Fiktion also überholt: Egal, was Donald Trump sagte oder tat, nichts hat ihn politisch getötet und damit seine Wahl zum US-Präsidenten verhindert. Es bleibt zu hoffen, dass Stephen King mit „Das Attentat“ auch in anderer, positiver Sicht daneben gelegen hat.

Fazit: Dass das Werk an sich etwas seltsam strukturiert ist, sollte man als Rezensent eines Unterhaltungsromans dabei nicht verschweigen: Es ist ein handelsüblicher Dreiakter, bei dem der dritte Akt jedoch merkwürdig kurz und gehetzt wirkt. Vielleicht ist das Absicht, vielleicht einfach dem Zwang des Autors geschuldet, dieses Buch irgendwie noch zuende zu bringen und eine vom Verlag gewünschte Länge nicht zu überschreiten. Nicht Kings bestes Buch, aber auch nichts sein schlechtestes.

Note: 2

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