Film: Slender Man (USA, 2018)

“Slender Man” basiert auf einer Creepypasta-Serie in den „Something awful”-Foren. Auch wer bei dieser Einleitung nichts versteht, kann erahnen, wo ein zentrales Problem des Films liegt: Er versucht den Spagat zwischen herkömmlichem Leinwand-Horror und Internet-Legenden-Grusel – und scheitert daran, was absehbar gewesen ist.

Das ist schade, denn rein handwerklich ist dies kein schlechter Film: Ein spannender Aufhänger, teilweise sehr atmosphärische Einstellungen, ordentliche Schauspielerinnen, gute Musik. Wenn sich die Macher darauf konzentriert hätten, den Slender-Man-Mythos konsequent und als richtigen Horrorfilm umzusetzen, hätte er sogar gut werden können.

Doch in der fertigen Kinofassung irrt der Streifen zwischen nur Fans verständlichen Versatzstücken der Originalidee, ärgerlichen Zugeständnissen an die Formeln des derzeitigen Mainstream-Hollywood-Horrors und deplatzierten Zitaten aus Genre-Klassikern umher (die in der Tonhöhe schwankende Glocke der Cenobiten aus Hellraiser, die Kamerafahrt durch den Wald aus Evil Dead). Er kann sich bis zum Schluss nicht entscheiden, aus welcher Perspektive, mit welchem Fokus und mit welchen Nebenfiguren die Geschichte eigentlich erzählt werden soll. So fallen manche Handlungsstränge am Ende einfach ungelöst unter den Schneidetisch, und selbst die Andeutung, dass sich der Slender-Man-Mythos reproduziert, bleibt bloße Andeutung und Fanservice, den man nur dann versteht, wenn man weiß, dass in der Realität zwei Mädchen versucht haben, eine Mitschülerin dem fiktiven Internet-Monster zu opfern.

Auch wird der modus operandi des titelgebenden Monsters inkonsistent dargestellt und ändert sich im Verlauf der Handlung mehrfach. Nur als Beispiel: Zwar erzeugt der sich nähernde Slender Man eine akustische Verzerrung in digitalen Geräten – überträgt aber von dieser Annäherung einen sauberen Video-Live-Stream auf die Smartphones seiner Opfer. So wird unbeholfen versucht, die Social-Media-Ästhetik mancher aktueller Mainstream-Teenie-Schocker mit dem Found-Footage-Ansatz zu verquicken, den die Web-Video-Serie “Marble Hornets” verwendete. Letztere hat bereits zwischen 2009 und 2012 mit bescheidensten Mitteln gezeigt, wie man den Slender-Man-Mythos richtig ins Bild bringt. Sie ist um vieles sehenswerter und unheimlicher als der Kinofilm.

Genre: Urban Horror

Note: 4

Fazit: “Slender Man” zerfällt in einen Scherbenhaufen, der den Eindruck erweckt, als hätten hier verschiedene Drehbuchautoren und Produzenten versucht, Elemente zusammenzufügen, die nicht zueinander passen, und dabei auch noch auf denkbare Fortsetzungen spekuliert. Schade.

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