Archiv für Oktober, 2016

Sarkom, The Stone, F41 und Isvind im VFRR Grosserlach

Posted in Rezension, Veranstaltung on 31. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Schon vor geraumer Zeit hat DJ Krysa seinem schwarzmetallischen Drang gefrönt und ein Festival in seiner Heimatstadt besucht. Hier die „Frontberichterstattung“.

Nach mehreren, erfolglosen Versuchen haben unser Schwäbisch-Hall-Korrespondent und Interviewkollege Jan und ich es endlich hinbekommen, dieses Kleinod von Musikclub aufzusuchen: Zwischen Backnang und Schwäbisch Hall liegt das kleine Vereinsheim und veranstaltet beständig Underground-Black Metal- Konzerte mit sehr erlesenen, internationalen Größen dieses Genres. Zeit also, bei einem Heimatbesuch dem Teil mal einen Besuch abzustatten.

Die Location liegt neben der örtlichen Schule und sieht nun mal gar nicht so aus, wie man sich einen schwarzmetallischen Höllenschlund vorstellt, in dem gleich das Inferno zu toben beginnt. Hatte eher was von einer Mischung aus Kleintierzüchterclub und Jugendhaus. Dennoch ein ehr sympathischer, kleiner Laden mit sehr humanen Getränkepreisen und fachkundigem Publikum.

Etwa 100 bis 150 Damen und Herren versammelten sich, um den ersten Act des Abends zu bestaunen: F41 aus Deutschland überraschten mit ihrem depressiv-suizidalen Black-Metal-Gemisch. Die komplett maskierte Truppe überzeugte spielerisch enorm und eröffnete so den Abend.

Nach kurzer Pause dann Sarkom aus Norwegen.Mit Corpsepaint und wahrer Psychoattitüde gingen die Herren zu Werke und überzeugten vor allem mit sehr hohem Wiedererkennungswert ihrer Songs. Teils waren hier und da sehr rock’n’rollige Elemente mit dabei. Mit viel Pomp und Klischee (riesiges umgedrehtes Kreuz und so) beendeten die Herren aus dem Norden ihren Set, um dann den Serben von The Stone den Stab weiterzureichen.

The Stone, die mich vor allem auf ihren CDs überzeugten, wirkten an diesem Abend sehr experimentell und sperrig. War es nur die Laune des Abends oder wegweisend für die Zukunft. Trotz alledem dennoch guter Black Metal mit sehr überzeugendem Drummer.

Danach musste das Gesangsmikro für den kleinwüchsigen Sänger von Isvind besorgniserregend tief geschraubt werden. Und die Norweger legten los, als wenn sie keine Gefangenen machen wollen. Der Wutzwerg am Mikro gab alles und die schweigsamen Holzfällerrecken um ihn herum lieferten die Rhythmuskost. Teilweise sehr crustig angehauchter BM-Sound fegte zum Abschluss des Abends alles weg.

Fazit: Ein sehr gelungener Abend mit tollen Bands, Merchandise und korrekten Preisen. Ein Dank an den Veranstalter für die gelungene Show. Wir kommen wieder, keine Frage.

(VFRR steht übrigens für „Verein zur Förderung des Rock’n’Roll; Anmerkung der Redaktion)

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Playlist vom 25. Oktober

Posted in Playlist on 26. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Unter Krysas Leitung bereisten Ultimas Lagrimas am Dienstag, 25. Oktober, auf musikalische Weise Osteuropa. Folgende Titel gab es in dieser Sendung zu hören:

  • Sin.Thetic Squad – Devil’s playground
  • Klirrfaktor – Zum letzten Mal
  • Schwarzschild – Auferstehen
  • The Sweetest Condition – Knock us down
  • James Dead at Last – Call of the past
  • Last Dusk – The Outsider
  • 8bit – Szarnyszegett
  • New Times – XX szazad barbarai
  • Bonanza Banzai – Nem erdekel
  • FO System – Utolso üvöltes
  • Radical din Val – Coropasnita
  • Rodion GA – Halou Cosmic
  • Terror Art – Cu plamani de noroi
  • Vals Hedone – Impactul vremii asupra corzii emotive
  • Novy Tsvetya – Patriot
  • Violetov General – Kralizata na noschta
  • Nova Generazija – Narzis
  • Review – Malko Momicenze
  • Jimmy Somerville – But not tonight
  • Solitary Experiments – Immortal
  • Mental Discipline – Fallen Stars

Teil 2 des Osteuropa-Specials folgt am Dienstag, 22. November 2016.

Ultimas Lagrimas beim Bang Your Head

Posted in Rezension, Veranstaltung on 24. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Im Sommer hat Meister Krysa unter anderem das regionale Metal-Festival Bang Your Head in Balingen besucht. Sein Bericht zeigt, dass die harten Riffs zur Kernkompetenz von Ultimas Lagrimas gehören. In der Sendung haben wir zeitnah darüber gesprochen, jetzt gibt’s die Rezension auch schriftlich im Weblog.

Mitte Juli war mal wieder das lokale Metallerfestival in Balingen angesagt, und bei einem solchen Heimspiel durfte man dann natürlich auch diesen unschlagbaren Vorteil nutzen: Kein Dahinvegetieren in klammen Zelten und Büchsenkost, sondern schön die Musikpausen in der eigenen Heia verbringen – das zunehmende Alter macht auch vor den Großmeistern von Ultimas Lagrimas keinen Halt.

Da das Arbeitslager der Warm-Up-Show mächtig in die Suppe spuckte, konnte man erst an Tag 2 die heilige Arena des guten Musikgeschmacks erklimmen. Der Besucherandrang war recht groß, aber bei dem diesjährigen famosen Line-Up kein Wunder. Schön einmal mehr das friedfertige Miteinander der Fans und die gute Stimmung.

Minuspunkt dieses Jahr leider war der Sound. Dieses Manko zog sich durch fast das ganze Festival. Oft sehr leise im Vergleich zu artverwandten Veranstaltungen und vor allem in der Halle war es bisweilen Sound-Matsch.

Highlights für mich an diesem Tag auf jeden Fall Slayer, die sehr zu überzeugen wussten, sowohl musikalisch als auch von der Bühnendeko (inklusive Jeff-Hannemann-Gedächtnis-Transparent). Sehr kommunikativ war der gute Herr Araya nicht, aber so ließ man eher die Taten sprechen. Sehr schön. Neben neuen Songs des Repentless-Albums wurden auch die alten Gassenhauer gespielt. Gute Mischung, gute Band.

Davor konnten mich auch die Briten von Carcass noch sehr überzeugen.Sehr gute Liveband. Nach Slayer ging es noch ab in die Halle zu Equilibrium und meinen Lieblingsungarn Ektomorf. Equilibrium litten massiv unter dem schlechten Sound, den der Mischer veranstaltete. Sehr schade, da ich die Band eigentlich sehr schätze. Warum dann das Publikum weitestgehend die Halle mied, als das magyarische Abrisskommando die Bretter betrat, bleibt mir unerschlossen. Zoli und Co. waren wieder die pure Rohheit und Energie. Phantastische Band. Danach war erstmal Schlusspfiff für diesen Tag.

Am Freitag erstmal Kumpel und Kollege Jürgen/Skeptic Sense und einige Ex-Bandkollegen getroffen, Inti für die Sendung gemacht (man ist schließlich zum Arbeiten zugegen) und wichtigen Dingen wie der Musikakquise gewidmet (damit es in der Sendung wieder was Neues auf die Lauscher gibt).

An diesem Mittag war für uns dann eher Vergangenheitsbewältigung angesagt: Mit Sacred Reich, Metal Church, Annihilator und Testament warteten einige Hochkaräter und konnten durchweg überzeugen. Die Spannung stieg, denn Twisted Sister und Dee Snyder baten zum ultimativen, letzten Tanz und die Menge vor der Bühne nahm immens zu (auch außerhalb des Geländes). Twisted Sister enttäuschten bei ihrem letzten Abgesang nicht: Perfekter Imbissbudenmetal meets Tunt’n’Roll at its best. Irre Energieleistung des Metallrentners.

Leider erwies sich der Getränkekauf als fatal, so dass man bei diesem Andrang den Rest der Crew verlor. Zum Abschluss noch kurz in die Halle und Metzelsuppe mit Grave. Auch ganz nette Liveband.

Der Samstag war nur für einen Kurzbesuch anberaumt, da familiäre Pflichten den Abend einnahmen. Zusammen mit dem Sohnemann wurde mittags noch Girlschool genossen. Wieder sehr geiler Auftritt der vier Damen und auch die nachfolgenden, sehr goth-lastigen Delain hatte ich gar nicht so gut in Erinnerung. Dem Lütten hat es auch gefallen. So muss sein. Und nächstes Jahr sieht man sich hoffentlich wieder. Schönes Festival, anyway.

Film: Don’t breathe (USA/Ungarn 2015)

Posted in Film on 18. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Dieser Film des uruguayanischen Regisseurs Fede Alvarez ist weder ein Standard-Hollywood-Schocker noch künstlerisch stilisierter Arthaus-Grusel, und er greift auch keine ausgefallenen, historisch-kulturellen Ideen auf. Vielmehr ist „Don‘t breathe“ ein grundsolider, handwerklich sorgfältig gefilmter und geschnittener Thriller, der das bekannte Home-Invasion-Szenario clever auf den Kopf stellt: Drei junge Delinquenten brechen ins letzte noch bewohnte Haus eines verfallenden Detroiter Viertels ein. Nach ihrem Zusammentreffen mit dessen Bewohner, einem blinden Kriegsveteranen, wollen die Halbstarken aus dem Gebäude flüchten. Und dann folgt die eigentliche Wendung der Geschichte, die mehr als die ungeschönt dargestellte Gewalt den Film auch für den Zuschauer unangenehm werden lässt.

„Don‘t breathe“ folgt, bereits in der ersten Einstellung absehbar, der Genre-Konvention des „Final Girl“. Diese Rolle ist die bereits zweite Zusammenarbeit von Jane Levy mit Fede Alvarez nach dem selbst hartgesottene Horrorfans blass werden lassenden „Gorefest“ im Evil-Dead-Remake 2013. Gut die Hälfte der Spielzeit sind für sie eine Tour de force, ohne dass indes die Brutalität des Aufeinandertreffens des Blinden und der drei Einbrecher überzeichnet oder überzogen inszeniert wäre. Das ist teils harte Kost, der Schrecken liegt aber mehr in der Ausweglosigkeit der Situation und dem erwähnten „Twist“ begründet.

Genre: Home Invasion/Thriller

Note: 2+

Fazit: Keine Neuerfindung des Horrorfilms, aber nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Leistungen von Jane Levy und der physischen Präsenz von Stephen Lang allemal lohnenswert.

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Album: Skeptic Sense – Mind versus Soul

Posted in Rezension on 4. Oktober 2016 by ultimaslagrimas

Das amerikanische Plattenlabel Divebomb Records hat sich zur Aufgabe gemacht, längst vergessene Perlen der metallischen Fraktion wieder zugänglich zu machen. So ist es doch noch wahr geworden, und nach 22 Jahren ist posthum ein kleines Juwel des deutschen Prog Metal posthum wiederveröffentlicht worden. Ultimas Lagrimas haben reingehört.

Skeptic Sense waren eine Band, die Ende der 80er bis Mitte 90er im Raum Ravensburg existierten. Nach zwei sehr respektablen Demos brachte man in der Endphase noch das Debutalbum Presence of mind heraus, um sich dann einige Zeit später zu trennen.

skeptic-sense-mind-versus-soul

Divebomb *  Technical Thrash Metal

Divebomb haben eine sehr schöne CD herausgebracht mit tollem, informativen Booklet, Bandhistory und jeder Menge Photos.

Die Musik selbst weiß dann auch sehr zu gefallen. Eine, für die damalige Zeit, sehr experimentierfreudige Band, die mit vielen Tempowechseln und Breaks arbeitet und dennoch eine gewisse Eingängigkeit besitzt. Was manchmal anfangs sperrig wirkt, schließt sich immer mehr zu einem ausgereiften Klangkonzept.

Die Stärke der Scheibe besteht vor allem in ihrer Durchgängigkeit. Herausstechende Hits sucht man jetzt eher vergeblich. Das Gesamtwerk weiß zu überzeugen.

Ähnlichkeiten, auch stimmlich, zu Vorbildern wie Watchtower sind nicht von der Hand zu weisen. Und auch der anfangs sehr hohe Gesang fügt sich immer besser in dieses Gesamtwerk ein.

Schön, dass neben dem Album auch die Demos mit auf die CD gepackt wurden, wenn dadurch auch Doppelungen von Tracks vorliegen, aber so kann man wenigstens die Gesamtdiskographie dieser famosen Kapelle sein eigen nennen und man kann anhand der Veröffentlichungen auch sehr schön die musikalische Entwicklung verfolgen.

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass sich die Combo zu früh aufgelöst hat. Ich kann die Band nur weiterempfehlen, nicht nur, weil mein lieber Arbeitskollege Knödel seinerzeit der Bassmann war und ich auch in der Clockwork-Hour-Ausgabe von Ultimas Lagrimas ein Bandinterview hatte.

Fazit: Gehet hin in Scharen und kauft euch dieses Teil.

Anspieltipp: durchhören!

Gesamtnote: aus Meister Krysas Warte eine grundsolide und gern gegebene 1-