Anne Clark am 21. März im FranzK

Seit 1980 steht Anne Clark auf der Bühne. Nach 36 Jahren soll damit jetzt Schluss sein. Auf ihrer Abschiedstournee machte sie am 21. März auch zum voraussichtlich letzten Mal im Reutlinger Kulturzentrum FranzK Station. Mit einigem zeitlichen Abstand gibt es jetzt hier die Konzertrezension von W.o.11, der Ultimas Lagrimas in Reutlingen berichterstattend vertreten hat.

AnneClark+HerrB_RT2016

Vor ihrer Tournee »Wasted Wonderland« hat Anne Clark angekündigt, es werde ihr Abschied von der Bühne sein. Das Konzert im Reutlinger Kulturzentrum FranzK ist in diesem Fall im terrestrischen Sendegebiet von Ultimas Lagrimas die letzte Möglichkeit gewesen, sie noch einmal live zu erleben.

»Lieder für Leute die nicht tanzen, von einer Frau die nicht singt« – so wurden in der Vergangenheit die Wort-und-Musik-Kompositionen der heute 55-Jährigen beschrieben. Zumindest was das Tanzen angeht, hat das Konzert in Reutlingen dies widerlegt.

Vom ersten Lied an, nachdem Anne und ihr Begleitelektroniker »Herr B.« hinter Mikrofon und Laptop Position bezogen hatten, herrschte Bewegung in den mehr als 200 Fans zwischen Ende 30 und Anfang 60. Deutlich mehr als bei dem Duo auf der Bühne, das das Treiben auf der Tanzfläche gelassen verfolgte. Die große Dame des Dark Wave war dabei so freundlich, entspannt und sympathisch, wie man sie als langjähriger Fan seit jeher kennt – der Ruhepol inmitten lauter Musik, bunter Lichter und tanzender Menschen.

Natürlich waren es letztlich ihre großen Hits wie »Wallies«, »Sleeper in Metropolis« oder »Our Darkness«, die die Zuhörer begeisterten – obwohl »Herr B.« diese in ungewohnten, basslastigen House-Arrangements durch die Anlage schickte. Doch auch neuere Stücke wie »Full Moon« oder »Whisper of Shells« kamen gut an. Zum Ende des Konzerts hin huldigten die Fans Anne Clark wie einer Königin: Während des anhaltenden, tosenden Schlussapplauses nach der zweiten Zugabe standen der Künstlerin angesichts der ihr entgegengebrachten Zuneigung Tränen der Rührung in den Augen.

Gesungen hat sie allerdings tatsächlich nur andeutungsweise: Ihr eigenwilliger Vortragsstil, irgendwo zwischen Gedichtrezitation und rhythmischem Sprechgesang, ist während ihrer 36 Jahre dauernden Karriere ihr unverwechselbares Markenzeichen geblieben.

Schon vor Jahren hat Anne Clark in einem Interview gesagt, sie könne nicht bis ins Rentenalter den Zorn gegen soziale und politische Missstände aufrechterhalten, den sie in jungen Jahren gehabt habe, und der lange ihre Texte bestimmte. Sie ist milde geworden, und vielleicht ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt für die Königin, abzudanken. Ihre Worte, kunstvoll formuliert, werden ihren Fans über das angekündigte Karriereende hinaus erhalten bleiben.

 

Eine Antwort to “Anne Clark am 21. März im FranzK”

  1. Die milde Königin dankt ab. Anne war toll, der House-Sound ihres Begleitmusikers nicht so ganz. Rezension folgt. (W.o.11)

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