Album: Red Storm – Alert

UltimasLagrimas-Gründer Krysa hat schon immer eine Vorliebe für wavige Gitarrenbands aus Osteuropa mit Frauenstimme gehabt. Insofern sollte dieses Werk genau seinen Geschmack treffen. Kurz vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin am 8. April haben wir uns durch „Alert“ von Red Storm gehört.
Die polnische Electro-Rock-Formation, gebildet um Frontfrau Agnieszka Lesna, versammelt auf ihrem Erstlingswerk zehn Songs mit 44 Minuten Minuten Spielzeit. Und, das vorweg, darunter sind mindestens vier höchst hitverdächtige Hymnen.

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Bob Media/Soulfood * redstorm.pl * 44:20 min * Electro-Rock

Um nicht Hals über Kopf Loblieder anzustimmen: „Alert“ wird sicher nicht jedem gefallen. Das Album ist griffig, fast gefällig und zugleich sehr transparent gemixt, unter anderem von This-Mortal-Coil-Legende John Fryer. Wer ausschließlich auf brachialen Industrie-Metal steht, dem ist das Werk höchstwahrscheinlich zu poppig.
Alle anderen aber sollten die Scheibe aufgeschlossen angehen und sich vor allem durch den prägnanten, facettenreichen, kräftigen Gesang einnehmen lassen. Es gibt in der „Schwarzen Szene“ leider viel zu viele Trällermädchen, die hauptsächlich wegen ihres Aussehens am Mikrofon stehen – nicht so Agnieszka, die mit ihrer Stimme unumstritten den Dreh- und Angelpunkt der Band wie auch dieses Albums darstellt. Die Vielfalt ihres gesanglichen Ausdrucks (jetzt kommt also doch der Lobgesang) ist bestechend, ihre Bandbreite reicht vom gängigen Rocktimbre über Lady Gaga bis hin zu Marilyn Mansons hypothetischer Schwester.
Was die Musik betrifft: Electro und Rock, Synth-Sounds und Gitarrenklänge stehen in den zehn Songs auf „Alert“ gleichberechtigt nebeneinander. Mal schleppende, mal treibende E-Drums, pulsierende Bass-Sequenzen, flirrende 8-Bit-Arpeggios, schneidende Saw-Leads sowie gezielt eingesetzte Chor- und Streicher-Samples verleihen dem Album schillernde Farben. Düstere, aggressivere Akzente setzen brettharte Gitarrenriffs, die indes weniger dominant und mit leichterer Hand eingestreut sind als bei Agnieszkas voriger Band Desdemona.
Passt das alles zusammen? Absolut! Das Album hat keine Ausreißer nach unten, sondern bietet dem Hörer im besten Sinne aufregende Unterhaltung. Sollte man doch einmal mit den Gedanken abschweifen, so packt einen die Stimme der Sängerin spätestens beim nächsten Refrain wieder am Kragen, um einen freundlich, aber bestimmt auf die Musik hinzuweisen.
Spannend wird sein, Red Storm auf deutschen Konzertbühnen zu erleben. Das wird die Nagelprobe werden, ob Agnieszka und ihre Mannen den einnehmenden Eindruck des Studioalbums auch live hervorrufen können. Wir hoffen und vermuten: Ja!

Fazit: Geschliffener, teils hymnischer Rock, fast zu brillant, um „Indie“ zu sein. Anhören? Durchhören!

Anspieltipp: Anymore (Track 7)

Gesamtnote: 1,7

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