Album: Kontrast – Balance

Kontrast… bla… Einheitsschritt… bla… Isecs… bla… neues Album… bla… Balance… Lassen wir diesen ganzen zeilenschindenden Füllstoff weg.

Das neue Album der elektronischen Tanzkapelle Kontrast ist da. Und es ist gut. Kauft es euch.

Warum ist es gut? Weil die poetischen Texte Robert Lindners und die mit klarer Linie komponierte Musik Dirk Heinrichs eine stimmige Einheit formen.
Kontrast - Balance

Danse Macabre * einheitsschritt.de * 1:09:12 h * Wave-Pop

Der wortgewandte „Formulator“ und der stilsichere „Elektro-Heinrich“ machen seit mehr als 20 Jahren gemeinsam Musik. Das merkt man. Dass hörbar ein kompetenter Produzent am Mischpult saß und für den finalen Feinschliff der zwölf Songs sorgte, macht „Balance“ zu einem weiteren, klanglich wie inhaltlich überzeugenden Werk der Gruppe aus Diepholz.

Sechs Jahre haben die Kontrast-Fans auf diese Scheibe gewartet. Das kam uns gar nicht so lange vor – versorgt uns das synthetisch-poppige Quartett doch auf seiner Homepage regelmäßig mit Demos, Live-Mitschnitten und unveröffentlichten Songs.

Apropos Quartett: Personell hat sich seit „Vision und Tradition“ ein wenig geändert: Dritter Mann ist nach wie vor Falko Heinbokel. Frank „Lexi“ Lange hat die Gruppe hingegen verlassen.

Dafür ist die langjährige Gastsängerin „Nebelgeist“ jetzt offiziell Kontrast-Mitglied. Ihre Stimme ist auf „Balance“ allerdings nur in zwei Songs zu hören: dem knackig gemischten Synthiepop-Opener „Diese Nacht wird unser sein“ und dem bereits vergangenem Jahr als USB-Single veröffentlichten „Liebe light“. Beides sind lohnenswerte Stücke – nicht zuletzt weil die holde Dame eine richtige Stimme hat und nicht nur vor sich hinpiepst wie die „Sängerinnen“ der typischen „Tussi&Brecher“-Combos.

Ach ja: Als weiterer Gastsänger und Mitstreiter darüber hinaus ist ein gewisser Christian Henke im Boot. Seine sonore Stimme im Wechsel mit dem nüchternen Rezitativ Roberts macht das halb englisch, halb deutsch gesungene „Nothing as it seems“ zu meinem persönlichen Favoriten der Scheibe, und er gibt „Ich bin es nicht“ darüber hinaus eine regelrechte Punk-Attitüde.

Immer wieder taucht in den zwölf Stücken die Kontrast-typische Ironie auf, erkennt man in den Texten das Augenzwinkern, nimmt die souveräne Ernsthaftigkeit wahr, die Kontrast schon immer aus der Masse der Klischee-Reiter herausgehoben hat. Insgesamt ist „Balance“ aber melancholischer als die vorherigen Alben ausgefallen, stellenweise fast düster.

Dass darunter die Themenbreite nicht leidet ist fein. Und musikalisch reicht das Spektrum vom Club-Track über die Balladen-Vertonung und den EBM-Stampfer bis hin zum gesungenen Wortwitz. Dass man beim einen oder anderen Stück kurz an andere Bands denkt (namentlich Welle Erdball oder Covenant – beide sogar im Booklet erwähnt) fällt keinesfalls negativ ins Gewicht, sondern zeigt die kompositorische Vielfalt, zu der Kontrast, das heißt vor allem: der Komponist Dirk, fähig sind.

Mit „Balance“ erfüllen Kontrast fast alle Erwartungen, die man als langjähriger Fan an das neue Album haben konnte: Hintergründig, nachdenklich, melodisch, tanzbar und mitunter einfach schön. Einen zwingenden Tanzbodenfüller sucht man zwar vergeblich. Aber gut die Hälfte der Songs auf der Scheibe mit mehr als einer Stunde Spielzeit ist potenzielles Hit-Material, und man darf sich auf den einen oder anderen Remix freuen, mit dem die elektronische Tanzkapelle die Schwarze Szene wieder einmal in Fahrt bringen wird. Gut gemacht, Jungs (und Fräulein)!

Fazit: Der Albumtitel ist gut gewählt: Kontrast gelingt die Balance im magischen Viereck Komposition, Text, Produktion und Eingängigkeit. Unverwechselbar, anspruchsvoll und absolut lohnenswert.

Anspieltipp: Nothing as it seems (Track 5)

Gesamtnote: 1,6

Ach ja… für CD-Käufer gibt es übrigens wiederum exklusive Bonus-Downloads. Ein Grund mehr dafür, den physischen Tonträger käuflich zu erwerben, liebe UltimasLagrimas-Hörer.

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