Album: Oberer Totpunkt – Desiderat

„Da hätte ich jetzt nicht auf Oberer Totpunkt getippt“, sagte Krysa, als das UltimasLagrimas-Team zum ersten Mal gemeinsam in die neue Scheibe hineinhörte. „Desiderat“, das vierte Album der Gruppe, ist seit Mitte März im Handel – und jetzt gibt es von uns die dazugehörige Rezension.

Bettina Bormann und Michael Krüger , das Paar hinter Oberer Totpunkt, sind mit „Desiderat“ ihrem Stil treu geblieben, haben sich aber trotzdem weiterentwickelt. Zu den typischen Titeln mit mal kühl, mal eindringlich rezitierten Texten gesellen sich in ansehnlichem Umfang tanztauglich aufbereitete Stücke. Die Mischung ist außerordentlich gut gelungen, und Oberer Totpunkt hätten es verdient, neben ihren bereits vorhandenen Anhängern nun auch die Clubgänger der Szene für sich zu gewinnen.

Oberer Totpunkt - Desiderat

Danse Macabre/Alive * www.totpunkt.com * 44:04 min * Avantgarde-EBM

„Desiderat“ vereint elf Stücke mit einer Spieldauer von knapp einer Dreiviertelstunde. Der Stil changiert dabei von fast klassischem EBM über vertonte Gedichte und minimal-kalkuliertes Futurepop-Destillat bis hin zu Früh-90er-Electro-Wave á la Invincible Spirit.

Trotz dieser Bandbreite bleibt es immer unverkennbar Oberer Totpunkt. Dafür sorgt allein schon der analytische, deutschdozentinnenhaft wortgewandte Sprechgesang Bettina Bormanns, der sich durch alle Titel wie ein roter Faden zieht.
Dass die Scheibe reduziert arrangiert und druckvoll produziert ist, hilft „Desiderat“ von den Vorgängeralben abzuheben. Nicht dass jene schlecht wären – im Gegenteil. Aber die Stücke sind insgesamt weniger verspielt, mehr auf den Punkt. Die früher stärkeren E-Musik-Anklänge vermisst man kaum, obgleich ohne einen einzigen überlangen Titel eines der Markenzeichen der bisherigen drei Alben fehlt.

Auch inhaltlich überzeugt das Werk: Ob sozialkritische Bestandsaufnahme oder Abgründe der Hassliebe – die Vokalistin gibt den Themen eine charakteristische Prägung und Tiefe in Wortwahl und Ausdruck, an denen andere Formationen allzu oft pathetisch und plakativ scheitern. So und nicht anders macht man Musik und Texte für Erwachsene.

Fazit: „Desiderat“ ist schon jetzt als einer der Höhepunkte des musikalischen Jahrs 2014 zu erkennen. Oberer Totpunkt behält darauf seine Unverkennbarkeit, könnte aber dank des Hitpotenzials von gut einem Drittel der Platte auch neue Hörer erschließen – im Club genauso wie auf der heimischen Anlage.

Anspieltipp: Das Leben wartet nicht auf dich & Fremde Seele (Tracks 5 & 9)

Gesamtnote: 1,7

3 Antworten to “Album: Oberer Totpunkt – Desiderat”

  1. ralfvane Says:

    Hat dies auf VanElshoff exploitation Art rebloggt.

  2. Immer wieder eine Freude, wenn sich Redakteure die Zeit nehmen, ein Album richtig durchzuhören und nicht nur durchzappen aus dem Info abschreiben etc.! Vielen Dank! Ja – Sei auf der Hut! und Langfristig läuft tatsächlich in Clubs! Der überlange Song der fehlt…gut erkannt,,,ja – wir haben ihn fertig…eine 14 Minuten Nummer und dann doch geschoben – wir hatten das Gefühl, das reicht so :)….also auf der OT No. 5 gibt es wahrscheinlich zwei +10 Minuten Songs!! Liebe Grüße Michael

  3. Ein fantastisches Album. Kann mich der sehr gut geschriebenen rezi nur anschliessen.

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