Album: Synthetica – The City of Dis

Der Herbst bringt wie gewohnt nach der Sommerferienflaute wieder jede Menge Neuerscheinungen vor die Ohren von Musikfans und -journalisten. Ultimas Lagrimas hat von Danse Macabre Records unter anderem die neue Scheibe von Synthetica bekommen.

Eine niederländische Band, die sich dem gemäßigten Aggrotech widmet, teilweise in deutscher Sprache, nun ja, „singt“ und sich nicht zuletzt sozialen und politischen Streitthemen widmet – kann das als Gesamtkonzept funktionieren? „The City of Dis“, das zweite Album des Trios Synthetica zeigt: Kann, muss aber nicht.

Synthetica - City of Dis

Danse Macabre/Al!ve * synthetica.nl * 1:08:20 h * Aggrotech/Electro

Es kann funktionieren, denn Synthetica erweisen sich in den elf Titeln mit mehr als einer Stunde Spielzeit als Könner darin, mit reduzierten kompositorischen Mitteln atmosphärische Dichte aufzubauen. Repetitive Muster und Sequenzen werden da geschichtet und fast schon minimalistisch variiert. Robert Palmens durch Mark und Trommelfell sägender, bisweilen rezitativer Sprechgesang hält die Arrangements zusammen und schafft in manchen Passagen eine fast trance-artige Stimmung.

Zumindest für deutsche Muttersprachler ist aber der Gesang, genauer: dessen Text, ein Problem. Hört man bei den beiden ganz vorne auf dem Album platzierten und vollständig im Booklet abgedruckten Songs in deutscher Sprache genau hin (und liest womöglich sogar nach), so stolpert man immer wieder über Grammatik- und Aussprachefehler. Das reißt auch den gewogenen Hörer immer wieder aus den Songs, was schade ist, denn inhaltlich geht es nicht um Larifari-Melodramatik. Gleiches gilt aber auch für die mitunter handwerklich eher nachlässig ins Arrangement kopierten Sprachsamples. Hier kann man einmal nachvollziehen, welche Qual es für englische Muttersprachler darstellt, schlampig zusammengezimmerten Songtexten zu lauschen (man vergleiche dazu The Gothsicles – English Licence).

Der zweite Faktor, der in der Rezension eine bessere Bewertung verhindert, ist das teilweise nachlässige Sounddesign. Es hört sich mitunter an, als ob neben vielleicht fünf Stücken, die eine gute EP ergeben hätten, auch klanglich nicht ganz so sorgfältig ausgearbeitete Titel auf die CD gepresst worden wären. Lassen manche Tracks noch mit ungewöhnlichen Sounds aufhören (die metallische Snare in Maschinenstürmer beispielsweise), regiert doch immer wieder Mittelmaß und Kompromiss – als ob Synthetica die Klänge noch hätten austauschen wollen: Supersaw an, Oszillatoren gegeneinander verstimmen – fertig ist der aggressive Leadsound. So schlicht hört es sich jeden falls stellenweise an.

Alles in allem ist „The City of Dis“ keine schlechte, aber auch keine herausragende Platte. Die gröbsten Genre-Klischees vermeidet das Trio glücklicherweise, sodass man die CD ohne Überdruss, im Gegenteil sogar mit Interesse durchhören kann. Dass elektronische Musik live ohnehin immer ganz anders ‚rüberkommt als von CD, macht Hoffnung darauf, die drei Niederländer mal auf hiesigen Bühnen erleben zu können.

Fazit: Wer Aggrotech mit Electro-Anteilen mag, aber nicht fortwährend die brutal 4-on-the-floor durchgetretene, verzerrte Kickdrum braucht, kann an den bisweilen jenseitig entrückenden Tracks auf „City of Dis“ Gefallen finden.

Anspieltipp: „Maschinenstürmer“ (Track 1)

Gesamtnote: 2,5

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