Buch: On stranger tides

Powers, Tim: On stranger tides, Harper, New York 1987, 322 Seiten

Wer zu diesem Buch greift, weil er es für die Nacherzählung des vierten Teils der Fluch-der-Karibik-Reihe hält, wird so oder so eine Überraschung erleben. Der Film basiert nur sehr flüchtig auf dem Buch, und das Bunte, Leichtfüßige des Films fehlt Tim Powers Werk fast völlig. „On stranger tides“ ist grimmig, grausam, mitunter gruselig und trotz der gleichen Thematik weit von der Anschauen-und-Vergessen-Stimmung der Verfilmung entfernt.

Wie in anderen Büchern des Autors geht es um das Wirken von Zauberei in einem historischen Umfeld – hier der Karibik zum Ende des Piratenzeitalters. Zeitlich verankern lässt sich die Handlung rund 25 Jahre nach der Zerstörung Port Royals 1692 durch ein Erdbeben.

Der Marionettenspieler Jack Shandy wird auf der Überfahrt von Europa nach Jamaika bei einem Piratenüberfall gefangen genommen und in den Dienst des Kapitäns Davies gepresst. Klar, dass er am Ende des Buchs nach dem literarischen Muster der Heldenreise selbst nicht nur tollkühner Piratenkapitän ist, sondern auch ganz selbstverständlich Voodoo-Magie einsetzt.

Der Weg bis zu diesem nicht überraschenden, aber dennoch offenen Ende ist von Kämpfen, Gefahren zur See und phantastischen Szenen gesäumt. Wollte Powers aus dem Buch eine Serie machen, böte dieses viel Raum für eine Fortsetzung.

Über Längen oder gar langweilige Kapitel muss man sich an keiner Stelle ärgern. Powers lässt seinem Protagonisten kaum eine Phase der Ruhe – und ebenso ruhelos ist der Leser, bis er die letzte Seite zuklappen. Gut, dass sich das Buch mit etwas Muse binnen weniger Tage lesen lässt.

Bewertung: 2

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