Manöverkritik: Helloween & Gamma Ray

Wie im UltimasLagrimas-Weblog angekündigt, war ich am 20. April bei „Hellish Rock 2“, dem Konzert von Helloween und Gamma Ray in Balingen. Es war nett, ein paar der Heroen aus meiner frühen Jugend mal live auf der Bühne zu sehen, und die Show war wirklich professionell aufgezogen. Aber da ich kein eingefleischter Fan bin, konnte ich den Abend recht objektiv verfolgen.

Shadowside, eine brasilianischen Combo, die schon vor einigen Jahren mit Helloween auf Tournee waren, stellten das Vorprogramm dar. Sehr viel habe ich von den drei Musikern mit ihrer Sängern nicht mitbekommen. Solider Metal, wie man ihn in vielen Variationen seit Jahren weltweit hören kann, will mir scheinen.

Zum Auftritt von Gamma Ray wurde es dann deutlicher voller vor der Bühne. Kai Hansen ist ein Profi, aber er scheint noch immer Spaß an der Sache zu haben: Die Ansagen wirkten nicht einstudiert (auch wenn sie es sicher waren), an Stimme und Gitarre wird er im Lauf der Jahre eher noch besser, und vor allem lächelte er fast durchweg. Der einstige Helloween-Mitgründer und seine Band hatten den direkten Kontakt zum Publikum, von dem an den T-Shirts erkennbar eine deutliche Zahl Fans vor allem wegen ihnen nach Balingen gekommen waren. Absolut berechtigt, dass jemand aus dem Publikum Hansen ein Leintuch auf die Bühne reichte, auf dem deutlich lesbar stand: „Gamma Ray = Headliner“. Der Auftritt hatte aber durchaus etwas Nostalgisches – vor allem als Kai Hansen eine sehr gelungene Version von „Future World“ spielte, einen Titel, den er zwar einst mit Helloween aufgenommen, aber in der damaligen Version nicht selbst gesungen hat. Ich  weiß nicht, ob Michael Kiske das heute noch so hinbekommt.

Gamma Ray

Der tatsächliche, wenn auch nicht unbedingt von allen Konzertbesuchern so empfundene Headliner waren dann Helloween, die Rolling Stones der deutschen Metal-Szene. Auch in Balingen konnten sie sich auf in die Jahre gekommene ebenso wie auch junge Fans verlassen, die ihnen entgegenfieberten. Ich persönlich fand’s etwas schade, dass die mir bekannten Stücke aus dem ersten Jahrzehnt der Bandgeschichte fast ausschließlich im Zugabeblock am Ende gespielt wurden. Aber ich bin wohl nicht repräsentativ: Die echten Fans konnten selbst die Songs vom aktuellen Album „Straight out of Hell“ problemlos mitsingen. Allerdings: So richtig höllisch und heftig ging’s gar nicht zur Sache. Wildes Headbangen gab’s kaum – die meisten männlichen Zuhörer hatten kurze oder gar keine Haare mehr. Insgesamt wirkte der Auftritt sehr durchgeplant, bis in die Gesten der Musiker. Und selbst ein mit Flugzeuglärm und klirrenden Panzerketten untermaltes Schlagzeugsolo täuschte nicht darüber hinweg, dass Helloween zwar perfekte Unterhaltung bieten, aber halt doch ruhiger, älter und gesitteter geworden sind.

Helloween

Fazit: Insgesamt war das ein tolles Konzert mit einer sehr friedlichen, angenehmen Atmosphäre im Publikum, einer beeindruckenden Lichtshow und drei professionell aufspielenden Bands auf der Bühne, die nicht lustlos herunternudelten, sondern ihr Bestes gaben. Ich bin sicher, wirkliche Fans haben an „Hellish Rock 2“ nichts auszusetzen, sondern für ihre doch nicht ganz billigen Eintrittskarten ein prima Unterhaltungspaket bekommen.

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