Archiv für April, 2013

Balingen lädt Die Kassierer aus

Posted in Klang des Monats, Veranstaltung on 27. April 2013 by ultimaslagrimas

Wie unlängst bekannt wurde, hat die Stadt Balingen ein bereits gebuchtes Konzert der Brachial-Comedy-Punkband Die Kassierer beim Marktplatz-Open-Air am Samstg, 27. Juli, wieder abgesagt. Dazu im folgenden Meister Krysas Meinung:

Wir wussten erstmal nicht, ob wir lachen oder heulen sollten. Mal ganz ehrlich: Diese ganzen sozialen Gutmenschen gehen mir mit ihren Hetzjagden auf Bands langsam auf den Keks.

Die Kassierer existieren schon seit fast 30 Jahren. Ihr Sänger Wolfi – den ein Kumpel von mir auch persönlich kennt und betätigt, dass er ok ist – sitzt für die Linke im Gemeinderat in Wattenscheid, und sie sind nicht nur in Punkkreisen (so arg punk sind die gar nicht) als Comedyband mit sehr bizarrem Humor bekannt. Selbst die Zensurbehörden ließen von einer Zensur ab, da die Band unter künstlerischem und komödiantischem Aspekt zu betrachten sei. Gewaltverherrlichung und Frauenverachtung sind in keinem einzigen Kontext als ernst zu vernehmen, so überzogen und umgangssprachlich wie die sind.

Aber gerade ist es ja Mode, dass man auf Bands einhaut, die vom Happy-Family und Tralala abweichen. Waren es früher Rammstein, Onkelz, Witt oder Heppner, gegen die die Faschismuskeule geschwungen wurde, ist es heute eben Frei.wild, oder jetzt das Ding mit den Kassierern.

Ich halte es einfach so: Wenn mir etwas nicht gefällt, dann höre ich es nicht an und fertig. Und wenn manche Politdeppen einfach keinen Humor verstehen, dann muss man sich schon fragen, was solche Gestalten im öffentlichen leben zu suchen und zu sagen haben.

Das beste Mittel, um den tristen Alltag zu bewältigen, ist nunmal eine gute Portion Humor, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Genau das tun die Kassierer und genau das macht die Band so sympathisch.

Die Kassierer

Manöverkritik: Helloween & Gamma Ray

Posted in Rezension, Veranstaltung on 25. April 2013 by ultimaslagrimas

Wie im UltimasLagrimas-Weblog angekündigt, war ich am 20. April bei „Hellish Rock 2“, dem Konzert von Helloween und Gamma Ray in Balingen. Es war nett, ein paar der Heroen aus meiner frühen Jugend mal live auf der Bühne zu sehen, und die Show war wirklich professionell aufgezogen. Aber da ich kein eingefleischter Fan bin, konnte ich den Abend recht objektiv verfolgen.

Shadowside, eine brasilianischen Combo, die schon vor einigen Jahren mit Helloween auf Tournee waren, stellten das Vorprogramm dar. Sehr viel habe ich von den drei Musikern mit ihrer Sängern nicht mitbekommen. Solider Metal, wie man ihn in vielen Variationen seit Jahren weltweit hören kann, will mir scheinen.

Zum Auftritt von Gamma Ray wurde es dann deutlicher voller vor der Bühne. Kai Hansen ist ein Profi, aber er scheint noch immer Spaß an der Sache zu haben: Die Ansagen wirkten nicht einstudiert (auch wenn sie es sicher waren), an Stimme und Gitarre wird er im Lauf der Jahre eher noch besser, und vor allem lächelte er fast durchweg. Der einstige Helloween-Mitgründer und seine Band hatten den direkten Kontakt zum Publikum, von dem an den T-Shirts erkennbar eine deutliche Zahl Fans vor allem wegen ihnen nach Balingen gekommen waren. Absolut berechtigt, dass jemand aus dem Publikum Hansen ein Leintuch auf die Bühne reichte, auf dem deutlich lesbar stand: „Gamma Ray = Headliner“. Der Auftritt hatte aber durchaus etwas Nostalgisches – vor allem als Kai Hansen eine sehr gelungene Version von „Future World“ spielte, einen Titel, den er zwar einst mit Helloween aufgenommen, aber in der damaligen Version nicht selbst gesungen hat. Ich  weiß nicht, ob Michael Kiske das heute noch so hinbekommt.

Gamma Ray

Der tatsächliche, wenn auch nicht unbedingt von allen Konzertbesuchern so empfundene Headliner waren dann Helloween, die Rolling Stones der deutschen Metal-Szene. Auch in Balingen konnten sie sich auf in die Jahre gekommene ebenso wie auch junge Fans verlassen, die ihnen entgegenfieberten. Ich persönlich fand’s etwas schade, dass die mir bekannten Stücke aus dem ersten Jahrzehnt der Bandgeschichte fast ausschließlich im Zugabeblock am Ende gespielt wurden. Aber ich bin wohl nicht repräsentativ: Die echten Fans konnten selbst die Songs vom aktuellen Album „Straight out of Hell“ problemlos mitsingen. Allerdings: So richtig höllisch und heftig ging’s gar nicht zur Sache. Wildes Headbangen gab’s kaum – die meisten männlichen Zuhörer hatten kurze oder gar keine Haare mehr. Insgesamt wirkte der Auftritt sehr durchgeplant, bis in die Gesten der Musiker. Und selbst ein mit Flugzeuglärm und klirrenden Panzerketten untermaltes Schlagzeugsolo täuschte nicht darüber hinweg, dass Helloween zwar perfekte Unterhaltung bieten, aber halt doch ruhiger, älter und gesitteter geworden sind.

Helloween

Fazit: Insgesamt war das ein tolles Konzert mit einer sehr friedlichen, angenehmen Atmosphäre im Publikum, einer beeindruckenden Lichtshow und drei professionell aufspielenden Bands auf der Bühne, die nicht lustlos herunternudelten, sondern ihr Bestes gaben. Ich bin sicher, wirkliche Fans haben an „Hellish Rock 2“ nichts auszusetzen, sondern für ihre doch nicht ganz billigen Eintrittskarten ein prima Unterhaltungspaket bekommen.

Playlist vom 23. April

Posted in Playlist on 24. April 2013 by ultimaslagrimas

Mit Ausnahme des ersten und des letzten Stücks kamen sämtliche Titel in unserer Sendung am 23. April 2013 von Schallplatte oder Kassette. Ihr hörtet in Ultimas Lagrimas folgende Songs:

  • Deviant UK – Wreckhead
  • Gary Numan – I die, you die
  • 1984 – Tu nie bedzie rewolucji
  • Siekiera – Jest bezpiecznie
  • Berurier Noir – Nada
  • Depeche Mode – My secret garden (live)
  • Erasure – Ship of fools
  • The Assembly – Never never
  • The Human League – Circus of death
  • Heaven 17 – Crushed by the wheels of industry
  • John Foxx – Metal Beat
  • Ultravox – Hymn (live)
  • DiLeva – Dansa din Djävul
  • Noice – Ringer dig
  • Anti – Nekri pleioxifia
  • Panx Romana – Synagermos
  • Review – Direktor na wodopad
  • Anne Clark – Heaven
  • Eurythmics – Jennifer
  • The Saint Paul – Lonely despair

Human League - Being Boiled (1980)

Album: Pr0metheus Burning – Kill it with fire

Posted in Info on 14. April 2013 by ultimaslagrimas

Das us-amerikanische Label WTII Records zählt seit einiger Zeit zu den Unterstützern von Ultimas Lagrimas. Darauf ist bereits vor einiger Zeit das neue, siebte Studioalbum des Electro-Industrial-Duos Pr0metheus Burning erschienen, „Kill it with fire“.

Electro-Bands aus den USA ist sehr oft ein typischer Klang zueigen, der sie bereits beim ersten Hinhören von vergleichbaren Künstlern aus Europa unterscheidet. Ob das an Unterschieden in der Produktionsweise liegt, an der anderen Netzspannung und -frequenz in den US-Studios oder aber an etwas ganz anderem, das kann vermutlich höchstens ein Toningenieur sagen. Fakt ist, dass „Kill it with fire“ von den ersten Tönen an sehr amerikanisch klingt.

Pr0metheus Burning - Kill it with fire

WTII Records * www.prometheus-burning.com * 0:50:56 h * Electro-Industrial

Elf Stücke vereint „Kill it with fire“ zu knapp 51 Minuten Spielzeit, zählt man alle Zwischentitel und Remixe mit. Entgegen dem üblichen Aufbau eines Albums entwickelt dieses erst ab dem zweiten Drittel richtig Druck und hakt sich in den Hörgängen fest. Das ist vielleicht auch dem Umstand geschuldet, dass PB mit ihren Kompositionen nicht strikt dem typischen Aufbau Intro-Hook-Strophe-Refrain-Repeat-Break-Refrain-Outro folgen. Gut,das! So gleitet das Gesamtwerk flüssig voran wie eine gute gewartete, medizinische Maschine.

Klinisch, kühl und steril wirkt das Album – nicht zu verwechseln mit „gefühllos“, es verströmt im überraschenden Gegensatz zu seinem Titel eher schneidende Kälte denn sengende Hitze. Dazu trägt neben dem maschinell klingenden Sounddesign vor allem Sängerin Nikki Telladictorians Stimme bei, die keiner Effekte bedarf, um Silbe für Silbe kaum gezügelte Aggressivität zu transportieren. Das ist keine Wellness-Kur, eher metallisch schmeckende Medizin, mit der sich die lähmende Eintönigkeit behandeln lässt, an der die düster-elektronische Musik oft krankt.

Fazit: Zwingendes Hitpotential entfalten selbst die Höhepunkte auf der chirurgisch präzise komponierten und produzierten Scheibe kaum. Da für sind die Titel zu wenig gängigen Hörgewohnheiten unterworfen. Doch wer beim Stichwort „Industrial“ nicht unbedingt einen tanzbaren Clubstampfer nach dem anderen erwartet, sondern auch mal einfach nur konzentriert zuhören und Klangstrukturen verfolgen kann, der sollte „Kill it with fire“ offene Ohren gönnen.

Anspieltipp: Eevilution (Track 7)

Gesamtnote: 2,1

Lange Nacht der Schwarzen Romantik

Posted in Info on 14. April 2013 by ultimaslagrimas

Hoffentlich kann man diese Sendung des Deutschlandfunks als Podcast nachhören: Die Lange Nacht der Schwarzen Romantik lief am Samstag, 13. April, ab 23 Uhr im Radio. Ihr Thema gehört eigentlich zum Pflichtprogramm aller UltimasLagrimas-Hörer und all jener, die es mit „Gothik“ oder dem „Goth-sein“ ernst meinen. Ob es auch mal eine Lange Nacht des Cyberpunk gibt…?

Schwarze Romantik

Cover des Monats (26/3/13)

Posted in Cover des Monats on 1. April 2013 by ultimaslagrimas

Auch wenn Krysa und W.o.11 für Ultimas Lagrimas gemeinsam hinter den Mikrofonen sitzen, kommen Cover-Versionen im Programm nicht zu kurz. Am Dienstag, 26. März, waren die folgenden zu hören:

  • Die Krupps – Industriemädchen; im Original von S.y.p.h.
  • Eisregen – Der Mann mit dem Koks; Cover der Version dieses Liedes von Falco