EP: X-Vivo – Out of the smell of decay

Direkt aus der Hauptstadt hat uns dieser Tage die neueste Veröffentlichung der alternativ-metallischen Band X-Vivo erreicht. Danke dafür auf diesem Weg an Alina und die Damen von Absolut Promotion. Von X-Vivo hatten wir bei Ultimas Lagrimas zuvor noch nichts gehört und haben daher besonders gespannt in die Remix-EP „Out of the smell of decay“ gelauscht. Die folgende kleine Rezension ist das Resultat dieser Hörprobe.

Remix-EPs haben meist die Funktion, das Interesse an einer Band wachzuhalten und die Fans in der Wartezeit auf das nächste Full-length-Album bei Laune zu halten. Das gilt auch für „Out of the smell of decay“, das aber zudem auch jene aufhorchen lassen dürfte, die mit der Berliner Band bislang noch nichts verbinden.

X-Vivo - Out of the smell of decay

Record Jet/New Music Distribution * www.x-vivo.de * 0:29:27 h * Alternative Metal

Die am 25. Januar offiziell in den Handel kommende EP enthält sechs Stücke mit einer Spieldauer von knapp einer halben Stunde. Wenn man kein eingefleischter X-Vivo-Fan ist, muss man sich Zeit nehmen, um hineinzufinden. Denn die Titel sind weder schlicht komponiert noch gefällig neu gemischt; eine gewisse, sicher gewollte Kantigkeit stellt das vereinigende Element der ansonsten sehr unterschiedlichen Tracks dar.

Nebenher dudeln geht daher nicht, und das täte den Stücken auch Unrecht. Denn mit diesen Appetithäppchen zeigt das Quintett seine Bandbreite auf, von aggressiv auf den Punkt bis melancholisch distanziert. Aufmerksamkeit lohnt sich, zumal nicht einfach Loops und Riffs ad nauseam wiederholt werden. Dass bei den neuen Mixen die Gitarren recht sample-artig eingesetzt werden, ergänzt durch diverse Clicks & Cuts sowie programmierte Sounds, dürfte vor allem der Electro-Fraktion zusagen.

Klar, hier und dort klingt durch, welche Bands Haupt-Songwriter Alex hört und schätzt. Es wäre aber unangebracht, X-Vivo des bloßen Nacheiferns zu verdächtigen. Die Synthese der – wie bei jedem Musiker – vorhandenen Einflüsse mit eigenen Ideen führt zu einem vielschichtigen Werk, das beim konzentrierten Zuhören immer wieder erstaunt aufhorchen oder gar zurückspulen lässt. Etwa wenn nach vier druckvollen Songminuten jäh ein kathartischer Schlussteil mit flächigem Synthiechor über gebrochenen Beats einsetzt. So was ist nicht nur gekonnt neu gemixt, sondern auch clever arrangiert und auf „Out of the smell of decay“ zudem kein Einzelfall.

Der Gesamtklang der EP ist durchweg überzeugend und in vielen Sounddetails sorgfältig ausgefeilt. In der Summe überzeugt „Out of the smell of decay“ damit als Visitenkarte für eine Band, von der man hoffentlich weiter hören wird. Schade ist lediglich, dass Bassistin Alinas Stimme neben dem variantenreichen Knurren und Rezitieren von Frontmann Kai so zurückhaltend eingesetzt wird und dann mitunter im Mix verhallt. Sie erinnert nämlich ein wenig an Anneke van Giersbergen – mehr davon, bitte!

Fazit: Eine überraschende und gute Scheibe, die bei jedem Hören neue Facetten gewinnt und Interesse auf das nächste, reguläre Studio-Album von X-Vivo weckt – auch wenn die Remixe vielleicht nicht archetypisch für den Sound der Band sind, die insbesondere live deutlich härter und noisiger zugange ist.

Anspieltipp: Realität (Dualism Remix), Track 5

Gesamtnote: 1,7

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