Album: Traitor – Thrash Command

Klassischer Metal ist ja eigentlich nicht Schwerpunkt von Ultimas Lagrimas. Weil wir aber gute Bands aus unserem terrestrischen Sendegebiet unterstützen möchten, unabhängig vom musikalischen Genre, haben wir uns dennoch durch das Debütalbum von Traitor aus Balingen gehört. Das hat sich gelohnt und ist uns eine Rezension wert.

Vermutlich hat seit den 80er-Jahren kaum eine Band so sehr nach 80er-Thrash-Metal geklungen wie Traitor. Und das, obwohl die Newcomer aus dem Zollernalbkreis damals teilweise vermutlich noch nicht einmal geboren waren.

Eigenvertrieb * www.traitor-band.de * 0:41:38 h * Thrash Metal

Ihre Einflüsse sind hörbar: Die vier Jungs knüppeln so unverdrossen drauf los wie einst Slayer, Kreator oder auch Metallica auf deren ersten Platten. Ja, das Quartett aus der Waagenstadt kennt und huldigt den Vorbildern – ohne diese aber lediglich zu kopieren.

Zwar schreddern die Gitarren, wie es mehr retro kaum sein könnte. Breaks und Tempowechsel kommen an genau den Stellen, die man schon vor 25 Jahren erwartet hätte. Der Schreigesang klingt genretypisch, wie damals (die Lead-Vocals liefert Drummer Andreas Mozer). Und Traitor versuchen auch nicht krampfhaft, etwas neu oder auch nur anders zu machen als die Metal-Heroen von einst. „Thrash Command“ klingt dadurch absolut authentisch – und auf die nutzlos dahingeschrubbten Soli vergangener Tage verzichten die zehn Songs erfreulicherweise weitgehend (obwohl es in „Temples of doom“ (Track 9) zwischendurch heftigst helloweent).

Aber die Aufnahmen sind so präzise eingespielt und so druckvoll abgemischt, wie es in den 80er-Jahren wohl auf kaum einem Erstlingswerk zu hören war. Die vier Jungs aus Balingen nehmen die bewährten Thrash-Elemente und polieren sie zeitgemäß auf. Das dürfte altgedienten Kuttenträgern ebenso gefallen wie den jungen Metalheads, die man bei Traitor-Konzerten vorwiegend im Publikum sieht.

Fazit: Von der Musik über die Texte und die Optik der Band bis hin zum Logo und dem… hm… stilsicheren Albumcover stimmt alles. „Thrash Command“ atmet den Geist eines vergangenen Metal-Jahrzehnts. Das ist für ältere Jahrgänge nostalgisch und erfreulich zugleich – es gibt also junge Musiker, die Poser-Rock und Nu“Metal“ die geballte Faust und den erhobenen Effenberg zeigen. Für die Jüngeren hingegen dürfte Traitors Debüt ein hoffentlich erfreuliches Voll-in-die-Fresse-Erlebnis sein, das die Erkenntnis bringt, dass Metal mehr ist als Kinderfasching mit Rocktallica und Slipknot.

Anspieltipp: Spiritual Warfare (Track 6)

Gesamtnote: 2,0

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