Album: Atari Teenage Riot – Is this hyperreal?

Viel zu lange schon hat diese Scheibe ihre Kreise im CD-Spieler der Ultimas-Lagrimas-Redaktion gedreht. Jetzt ist es an der Zeit, die neueste, wenngleich nicht mehr ganz brandneue Scheibe von Atari Teenage Riot mit einer Rezension zu würdigen.

Zwölf Jahre lagen zwischen dem letzten Studioalbum in alter Besetzung und dem neuen. Trotzdem klingt „Is this hyperreal?“, als seien Atari Teenage Riot niemals weg gewesen. Schon der Opener „Activate“ ist ein Wiederhören und weckt Erinnerungen an die Klassiker der Band.

Digital Hardcore Recordings * www.atari-teenage-riot.com * 0:43:12 h * Digital Hardcore

Diejenigen, die schon in den 90er-Jahren ATR kannten und schätzten, werden nicht vor den Kopf gestoßen: Es gibt noch immer aggressive Agitprop-Tracks mit der typischen Stimmarbeit. Daneben eindringliche Klangtüfteleien zur Untermalung fast rezitativer Wortwolken.

Nic Endo macht dabei Gründungsmitglied Hanin Elias nicht vergessen, klingt ihr aber sehr ähnlich. Und mit CX Kidtronic ist die Lücke adäquat gefüllt, die der verstorbene Carl Crack im Bandgefüge hinterlassen hat.

Trotz aller Wiedererkennbarkeit ist die Zeit nicht stehengeblieben. Insgesamt klingen ATR reifer, und die Produktion spiegelt klanglich die musikelektronischen Fortschritte der vergangenen anderthalb Jahrzehnte wider. Dass dabei teilweise Retro-Technik eingesetzt wird, etwa aus der 16-Bit-Ära (der Atari ST Speech Synthesizer in „Collapse of history“!) gibt der Platte einen ganz eigenen Charme und lässt dem Digital Hardcore seine ursprünglichen Kanten.

Die politischen Botschaften der Band sind dabei nach wie vor aktuell – und es sind neue dazugekommen, mit denen Alec und Nic den Daumen in die Wunde drücken. Und wie von ATR gewohnt, wird jedes Thema in den passenden, aufrüttelnden Sound gekleidet, der nie Ruhe lässt oder Zeit, die Anspannung in Wohlgefühl aufzulösen.

Fazit: Es hört sich nicht so an, als ob Bandchef Alec Empire altersmilde werden wolle. Gut so! Dass „Is this hyperreal?“ Straßenkampfhymnen eines ähnlichen Kalibers wie „Delete yourself“ fehlen, mindert nicht den Fußabdruck im Gesäß des Zeitgeists, den das Album hinterlässt. Wo sind andere Bands, die auf ähnlich kompromisslose Weise drückenden Digitalsound mit klaren, inhaltlichen Aussagen verbinden?

 Anspieltipp: Collapse of history (Track 10)

 Gesamtnote: 1,7

Eine Antwort to “Album: Atari Teenage Riot – Is this hyperreal?”

  1. Feine Rezension! Ich kann nach dem letzten Konzert in München hinzufügen, dass die Formation auch beim Auftritt überzeugt.

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