Archiv für Mai, 2012

Playlist vom 22. Mai: Berlin, Berlin

Posted in Playlist on 23. Mai 2012 by ultimaslagrimas

Ultimas Lagrimas unternahm in der Sendung am 22. Mai eine muskalische Reise in die Bundeshauptstadt: Der Schwerpunkt lag auf Bands und Stücken, in denen das Wort „Berlin“ vorkommt.

  • Second Decay – I hate Berlin
  • Gabba Front Berlin – Fluoxetin
  • Kraftklub – Ich will nicht nach Berlin
  • Marlene Dietrich – Das ist Berlin
  • Substaat – Berlin
  • Patenbrigade Wolff – Ostberliner Bauarbeiter (Dunkelwerk Remix)
  • QEK Junior – Koblenz nicht Berlin
  • Rational Youth – Dancing on the Berlin wall
  • Royal Visionaries – Metropolis von Berlin
  • Traitor – Spiritual Warfare
  • Verdun – Berlin
  • Berlinski Zid – Revolucija
  • Berlinski Beat – Wir sind Berlinski Beat
  • Ideal – Berlin
  • Daniel Colletti’s Electric Bat Cave – Berlin
  • PVC – Berlin by night
  • Guerre froide – Demain Berlin
  • Little Nemo – Berlin
  • Ausweis – Berlin
  • X-in June – The devil
  • Schwarzbund – Kalte Zeit
  • Solitary Experiments – Odyssey of the mind
  • Elegant Machinery – Repressive thoughts (X-panded Mix)
  • Adrian H & the Wounds – Bad man
  • Murder of my Sweet – Black September

Album: Traitor – Thrash Command

Posted in Rezension on 13. Mai 2012 by ultimaslagrimas

Klassischer Metal ist ja eigentlich nicht Schwerpunkt von Ultimas Lagrimas. Weil wir aber gute Bands aus unserem terrestrischen Sendegebiet unterstützen möchten, unabhängig vom musikalischen Genre, haben wir uns dennoch durch das Debütalbum von Traitor aus Balingen gehört. Das hat sich gelohnt und ist uns eine Rezension wert.

Vermutlich hat seit den 80er-Jahren kaum eine Band so sehr nach 80er-Thrash-Metal geklungen wie Traitor. Und das, obwohl die Newcomer aus dem Zollernalbkreis damals teilweise vermutlich noch nicht einmal geboren waren.

Eigenvertrieb * www.traitor-band.de * 0:41:38 h * Thrash Metal

Ihre Einflüsse sind hörbar: Die vier Jungs knüppeln so unverdrossen drauf los wie einst Slayer, Kreator oder auch Metallica auf deren ersten Platten. Ja, das Quartett aus der Waagenstadt kennt und huldigt den Vorbildern – ohne diese aber lediglich zu kopieren.

Zwar schreddern die Gitarren, wie es mehr retro kaum sein könnte. Breaks und Tempowechsel kommen an genau den Stellen, die man schon vor 25 Jahren erwartet hätte. Der Schreigesang klingt genretypisch, wie damals (die Lead-Vocals liefert Drummer Andreas Mozer). Und Traitor versuchen auch nicht krampfhaft, etwas neu oder auch nur anders zu machen als die Metal-Heroen von einst. „Thrash Command“ klingt dadurch absolut authentisch – und auf die nutzlos dahingeschrubbten Soli vergangener Tage verzichten die zehn Songs erfreulicherweise weitgehend (obwohl es in „Temples of doom“ (Track 9) zwischendurch heftigst helloweent).

Aber die Aufnahmen sind so präzise eingespielt und so druckvoll abgemischt, wie es in den 80er-Jahren wohl auf kaum einem Erstlingswerk zu hören war. Die vier Jungs aus Balingen nehmen die bewährten Thrash-Elemente und polieren sie zeitgemäß auf. Das dürfte altgedienten Kuttenträgern ebenso gefallen wie den jungen Metalheads, die man bei Traitor-Konzerten vorwiegend im Publikum sieht.

Fazit: Von der Musik über die Texte und die Optik der Band bis hin zum Logo und dem… hm… stilsicheren Albumcover stimmt alles. „Thrash Command“ atmet den Geist eines vergangenen Metal-Jahrzehnts. Das ist für ältere Jahrgänge nostalgisch und erfreulich zugleich – es gibt also junge Musiker, die Poser-Rock und Nu“Metal“ die geballte Faust und den erhobenen Effenberg zeigen. Für die Jüngeren hingegen dürfte Traitors Debüt ein hoffentlich erfreuliches Voll-in-die-Fresse-Erlebnis sein, das die Erkenntnis bringt, dass Metal mehr ist als Kinderfasching mit Rocktallica und Slipknot.

Anspieltipp: Spiritual Warfare (Track 6)

Gesamtnote: 2,0

Album: Atari Teenage Riot – Is this hyperreal?

Posted in Rezension on 1. Mai 2012 by ultimaslagrimas

Viel zu lange schon hat diese Scheibe ihre Kreise im CD-Spieler der Ultimas-Lagrimas-Redaktion gedreht. Jetzt ist es an der Zeit, die neueste, wenngleich nicht mehr ganz brandneue Scheibe von Atari Teenage Riot mit einer Rezension zu würdigen.

Zwölf Jahre lagen zwischen dem letzten Studioalbum in alter Besetzung und dem neuen. Trotzdem klingt „Is this hyperreal?“, als seien Atari Teenage Riot niemals weg gewesen. Schon der Opener „Activate“ ist ein Wiederhören und weckt Erinnerungen an die Klassiker der Band.

Digital Hardcore Recordings * www.atari-teenage-riot.com * 0:43:12 h * Digital Hardcore

Diejenigen, die schon in den 90er-Jahren ATR kannten und schätzten, werden nicht vor den Kopf gestoßen: Es gibt noch immer aggressive Agitprop-Tracks mit der typischen Stimmarbeit. Daneben eindringliche Klangtüfteleien zur Untermalung fast rezitativer Wortwolken.

Nic Endo macht dabei Gründungsmitglied Hanin Elias nicht vergessen, klingt ihr aber sehr ähnlich. Und mit CX Kidtronic ist die Lücke adäquat gefüllt, die der verstorbene Carl Crack im Bandgefüge hinterlassen hat.

Trotz aller Wiedererkennbarkeit ist die Zeit nicht stehengeblieben. Insgesamt klingen ATR reifer, und die Produktion spiegelt klanglich die musikelektronischen Fortschritte der vergangenen anderthalb Jahrzehnte wider. Dass dabei teilweise Retro-Technik eingesetzt wird, etwa aus der 16-Bit-Ära (der Atari ST Speech Synthesizer in „Collapse of history“!) gibt der Platte einen ganz eigenen Charme und lässt dem Digital Hardcore seine ursprünglichen Kanten.

Die politischen Botschaften der Band sind dabei nach wie vor aktuell – und es sind neue dazugekommen, mit denen Alec und Nic den Daumen in die Wunde drücken. Und wie von ATR gewohnt, wird jedes Thema in den passenden, aufrüttelnden Sound gekleidet, der nie Ruhe lässt oder Zeit, die Anspannung in Wohlgefühl aufzulösen.

Fazit: Es hört sich nicht so an, als ob Bandchef Alec Empire altersmilde werden wolle. Gut so! Dass „Is this hyperreal?“ Straßenkampfhymnen eines ähnlichen Kalibers wie „Delete yourself“ fehlen, mindert nicht den Fußabdruck im Gesäß des Zeitgeists, den das Album hinterlässt. Wo sind andere Bands, die auf ähnlich kompromisslose Weise drückenden Digitalsound mit klaren, inhaltlichen Aussagen verbinden?

 Anspieltipp: Collapse of history (Track 10)

 Gesamtnote: 1,7